Konfessionell erziehen in nachkonfessioneller Zeit – Religion im Zeichen dialogisch-dialektischer Ökumene

Datum: 7. Januar 2020

September 2019

Helmut Anselm

Inhaltsverzeichnis

Die Kirchen im gesellschaftlichen Wandel Seite 3

1. Aktuelle Formen christlicher Religiosität 3

Pluralisierung 4

Individualisierung bzw. Subjektivierung 5

Ablehnung von Kirchenbindung bei teilweiser Zugewandtheit 7

2. Reaktionen der beiden großen Kirchen 8

Katholische Kirche 8

Evangelische Kirchen 11

3. Auswirkungen auf die Konfessionalität 12

4. Gesellschaftliche Umbrüche 14

Spaltungen und Granularisierung 14

Folgen für die Kirchen 16

5. Angebot der Kirchen 17

Die Kirchen im Zeichen dialogisch-dialektischer Ökumene 19

Die Kirchen als soziale Bänder einer Gesellschaft im Wandel 20

Religionsunterricht: Wege zu zukunftsoffener Konfessionalität 22

1. Modelle konfessioneller Kooperation 23

2. Subjektorientierung und Konfessionalität 27

3. Jugendgemäßes und konfessionell profiliertes Unterrichten 29

4. Vernetzung des Unterrichts 32

Kontakt zu den Eltern 32

Mitwirkung an Schulauftrag und Schulleben 34

Verbindungen zur Kirche 36

5. Schlüsselposition der Lehrkräfte 37

Abstract und Rückblick auf die Eingangsfragen  41

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Den vollständigen Text können Sie unter folgendem Link herunterladen und ausdrucken:  Konfessionell erziehen in nachkonfessioneller Zeit

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Traditionelle Kirchlichkeit ist zu Ende. Ist somit auch die konfessio­nelle Erziehung am Ende? Nur in der herkömmlichen Form? Insge­samt? Oder erhält sie angesichts der zunehmenden Herausforderun­gen der Kirchen und ihrer Zukunftsprognosen in neuer Weise Be­deutung? Antworten auf diese Fragen können nur auf dem Hinter­grund einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive gegeben werden.

Die Kirchen im gesellschaftlichen Wandel

Spätestens seit 1989 unterliegt in Deutschland die Situation der Kir­chen tiefgreifendem Wandel, und als Reaktion darauf ist von verstärk­ter Ökumene die Rede. Doch kann man hören: Sie existiert bereits – und zwar als „Ökumene der Melancholie“ hier1 und als Ökumene des Glaubensschwundes innerhalb der Kirchen dort! Beide Antworten sind nicht aus der Luft gegriffen. Doch sind sie verallgemeinerbar?

Im Blick auf das Christentum in Deutschland bestehen große regio­nale Unterschiede und große positionelle Spannweiten. Sie reichen von – medial oftmals unterschätzter – aktiv gelebter Religiosität in tra­ditionell konfessioneller Prägung über gleichsam neutrales Desinteres­se bis hin zu engagiertem Atheismus bzw. Antitheismus2.

Stellung und Verständnis von Christentum in der breiten Mitte der deutschen Bevölkerung bilden die Bezugspunkte dieser Untersuchung.

  1. Aktuelle Formen christlicher Religiosität

Nach einer ‚Hochzeit‘ des Christentums nach 1945 ist seit den späten 60iger Jahren in Deutschland eine „fortschreitende Säkularisierung“ zu beobachten3. Doch gegen die Rede von einer „rasant wachsenden“ Entchristlichung4 sind christliche Bezüge in unserer Gesellschaft kei­neswegs marginal geworden5. Sie haben sich allerdings von kirchli­cher Bindung oftmals abgelöst.

Aufs Ganze gesehen sind – mit vielen Varianten – drei sich mitunter überkreuzende Entwicklungen zu erkennen: religiöse Pluralisierung, religiöse Individualisierung (bzw. Subjektivierung) und Ablehnung von Kirchenbindung6 bei z.T. gleichzeitiger Kirchenzugewandtheit.

Pluralisierung

Im Kontext weltweiter Vernetzung und damit gegebener Begegnungen mit fremden Religionen entstand ein Modalismus eigener Art. Danach habe sich der Eine und Einzige Gott in unterschiedlichen Namen bzw. Weisen (‚Modi‘) den Menschen zugewandt: „Wir glauben an densel­ben Gott“ (Johannes Paul II. 1985 zum Islam in Casablanca), und „auch im Hinduismus, im Buddhismus … und im Judentum kann ich Gott treffen. Gott ist der gleiche, auch wenn er anders heißt.“7

Entsprechend seien alle diese Religionen mit dem Christentum ver­wandt, auf fernere bzw. – neben dem Judentum als Teil der monothe­istischen Triade auch der Islam – auf nähere Weise. Das bedeutet letzt­lich eine gewisse Relativierung – ‚Bahaiisierung‘8 – der Religionen9.

Individualisierung bzw. Subjektivierung10

Die Rückseite der Pluralisierung ist Subjektivierung. Im Sinn von Jean-François Lyotards These vom ‚Ende der großen Erzählungen‘, die das kollektive abendländische Denken über Jahrhunderte prägten11, entwickelt sich vielfach ein religiöser Individualisierungsprozess12. „Religion wird mehr und mehr zur Sache von Einzelnen“13. Teils be­wusst gegen die „etablierten religiösen Institutionen“, teils von ihnen im Stich gelassen, entwickeln sie im Blick auf die „Fragen letzter Sinnfindung“ eine „oftmals diffuse Religiosität“14. Sie laden aus einer nach ihrer Sicht vorhandenen ‚religiösen Cloud‘ Elemente der christ­lichen Konfessionen, mitunter auch nichtchristlicher Religionen (wie Buddhismus) herunter, die für ihre Lebensgestaltung relevant sind15.

Auf diese Weise entsteht eine individuelle Christlichkeit mit z.T. in­terreligiösen Anteilen – G.Pickel spricht etwas herablassend von „Bas­telreligiositäten“16 – und je eigener Semiosphäre, „Rahmung“ (Frame), d.h. mit einem durch das persönliche Erleben und Erfahren geprägten – gleichsam ‚subjektiv-konfessionellen‘ – Bedeutungshof17.

Zugleich zeigt sich oftmals ein „Schrumpfen religiösen Wissens“18 bzw. Umdeuten von Glaubenssätzen, die heutiger Befindlichkeit ent­gegenstehen. „Von den großen Deutungsmustern der christlichen Tra­dition ist“ dann „die Krippe übrig geblieben, während Kreuz, Sünde, Erlösung, Christologie und Gotteslehre kaum noch nachvollzogen und meist schon gar nicht mehr gekannt werden … Allenfalls zeigt sich ei­ne religiöse Tendenz zu einer Schöpfungs- und Natur-Spiritualität und ein gewisses Interesse an alltagstauglicher Mystik.“19

Ein weiteres Kennzeichen individueller Christlichkeit ist, dass sie wegen ihrer Subjektivität im Blick auf die nächste Generation „selten weitersozialisiert“ wird. „So tragen dann Prozesse der Individualisie­rung … in Folgegenerationen zur Säkularisierung bei“: Viele Jugend­liche verlieren „das Interesse an Religiosität und dem Religiösen, ohne sie jedoch abzulehnen“20. – In diesem Kontext stellt Julia Bernhard im Blick auf die Konfessionsfrage fest: „Die Jugendlichen verstehen die Denominationsgrenzen ohnehin schon lange nicht mehr.“21

Ablehnung von Kirchenbindung bei teilweiser Zugewandtheit

Im Kontext der Individualisierung ist zwischen Kirchenmitgliedschaft und Kirchenzugewandtheit zu differenzieren. Während sie früher nor­malerweise in eins fielen, treten sie seit einigen Jahren auseinander. Die Kirchen verlieren hierbei einen Teil ihres ‚Kundenstammes‘, ein Vorgang, den sie mit den „politische(n) Parteien und demokratische(n) Institutionen“22 teilen. So verlieren die „etablierten religiösen Institu­tionen“ zusehends an Bedeutung23. Nach einer Studie des Freiburger Forschungszentrums Generationenverträge vom Mai 2019 wird sich bis 2060 die Zahl der Christen in Deutschland in etwa halbieren24.

Doch: Kirchenaustritt bzw. Ablehnung von Mitgliedschaft bedeutet nicht immer Absage an das Christentum, im Gegenteil. Im Rahmen in­dividualisierter Frömmigkeit kann man „offen“ sein „für relevante Formen des geistlichen Lebens“, ohne damit „automatisch die Bereit­schaft“ zu „verbinden, sich in eine der kirchlichen Sozialformen zu begeben“25. „Seit fünfzig Jahren lautet die Auskunft: Die Kirchen leis­ten“ in Lebensbegleitung und sozialer Hilfe „gute Arbeit“. Dass dies „nicht davon abhält, auszutreten“, von den Kirchen aber „Leistungen zu erwarten“, sobald man sie „persönlich brauchen“ kann, „ist ein all­gemeines gesellschaftlichen Phänomen.“ Aus Christen sind vielfach „Kunden, Konsumenten und User“ geworden“26. Sie sehen im ‚Fach­geschäft Kirche‘ ein Dienstleistungsunternehmen unter anderen, des­sen man sich von Fall zu Fall bedienen kann, etwa in den ‚Kasualien‘ Taufe, Konfirmation/Firmung, Trauung, Bestattung.

Diese Entwicklung führt zu Überlegungen, ob nicht eine niedrig­schwellige Form der Kirchenmitgliedschaft gefunden werden kann27.

  1. Reaktionen der beiden großen Kirchen

Die Reaktionen beider großen Kirchen28 auf die Doppelbewegung von Globalisierung und Individualisierung werden in hohem Maß vom je­weiligen Verhältnis von Kirche und einzelnem Gläubigen bestimmt.

Zur Klärung kann bislang eine Unterscheidung F.D.Schleiermachers helfen: Der „Hauptgegensatz zwischen Protestantismus und Katholi­zismus“ liege „in der unterschiedlich starken Betonung der Elemente Individuum und Gemeinschaft im Verhältnis zu Jesus Christus. Im Ka­tholizismus werde das Verhältnis des Christen zu Christus von seinem Verhältnis zur Kirche abhängig gemacht. Der evangelische Christ be­stimme … sein Verhältnis zur Kirche durch sein Christusverhältnis.“29

Die Kirchen stehen so vor unterschiedlichen Herausforderungen:

Katholische Kirche

Die Globalisierung von Religion ist für die Katholische Kirche unpro­blematisch. Sie versteht sich von jeher als Weltkirche, an deren voller Wahrheit in inklusivistischer Weise30 die anderen Religionen einen ab­gestuften Anteil haben31. So ist Papst Franziskus „offen gegenüber al­len Religionen“ und nennt religiösen „Pluralismus“ gottgewollt32.

Die religiöse Individualisierung ist für die Katholische Kirche pro­blematischer, da sie bis zur Gegenwart in Leben und Lehre stark vom kirchlichen Lehramt mit dem in den zentralen Glaubensfragen unfehl­baren Papst an der Spitze geprägt war. Umso einschneidender ist der Richtungswechsel, den Papst Franziskus vornimmt. Die Veränderung zeigt sich exemplarisch in seiner Haltung gegenüber Homosexuali­tät33, in der Kontroverse um Kommunionszulassung von Protestanten34 und gegenüber der Ökumene35. Hierbei scheinen als Leitbegriffe des Papstes Dialogorientierung, seelsorgerlich ausgerichtete „Einzelfall­entscheidungen“ und „Ambiguitätstoleranz“ auf36.

Die mit diesen Begriffen angestoßene Entwicklung löst bei traditi­onsorientierten Katholiken Verunsicherung und Ängste aus37, teilweise sogar offenen Widerspruch: Demnach wären alle überlieferten Lehr­aussagen mit einem „»Kann sein, kann aber auch nicht sein«“ zu versehen38, und Papst Franziskus „nicht Teil der Lösung der Krise der Autorität in der Kirche“, sondern „Teil des Problems“39.

Große Teile des ‚Kirchenvolks‘ und auch Bischöfe begrüßen jedoch den Ansatz des Papstes, so u.a. Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen). Gegen die „Erosion der herkömmlichen Kirchlichkeit“ und gegen die „unversöhnlichen Vertreter(n) einer »reinen Lehre«“ betont er das von Franziskus eröffnete „neue Bewusstsein von Ambivalenz“. Damit „stehen wir meines Erachtens an der kirchen- und heilsgeschichtlichen Schwelle hin zu einem neuen dogmatischen Reflexionsparadigma … Lehramt und Dogmatik wie das Kirchenrecht sind dabei, eine neue Ambivalenzkompetenz und Konfliktfähigkeit zu entwickeln“40.

Evangelische Kirchen

Die Reaktion des Protestantismus auf Globalisierung und Individua­lisierung steht gegenüber der des Katholizismus unter umgekehrten Vorzeichen.

Der Trend zur Globalisierung von Religion war für die evangelische Seite im 20.Jahrhundert problematischer als für die katholische. Nicht zuletzt unter dem Einfluss von Karl Barth41 und der Dialektischen Theologie stand man fremden Religionen reserviert bis negativ gegenüber. Doch diese Einstellung hat sich geändert. So lehnt etwa die Rheinische Kirche eine ‚strategische Mission‘ unter Muslimen ab42, zum Ramadan wünschen evangelische Bischöfe „Gottes Segen“ bzw. „gesegnete Begegnungen“43. In Aachen wird zur Einweihung einer Moschee vor ihr eine ökumenische Andacht gehalten44. In München finden gegenseitige Einladungen zu Gottesdiensten statt und gemein­same Gebete von Vertretern aller großen Weltreligionen45.

Der Trend zur religiösen Individualisierung ist für die evangelischen Kirchen einfacher als für die Katholische Kirche, gehören doch indi­viduelle Frömmigkeit und subjektive Glaubenserfahrung zum Genom des Protestantismus. Doch tritt in ihm nun M.Luthers zentrale Frage nach dem ‚gnädigen Gott‘ zurück hinter ethische Themen46 wie per­sönliche Lebensbedürfnisse und Gesellschaftsprobleme (z.B. Altersar­mut, Homoehe, soziale Gerechtigkeit, Populismus)47. Diese Probleme zu lösen sei „heutzutage die wichtigste Aufgabe einer Religion bezie­hungsweise einer Kirche“48 – ein Desiderat, das u.a. von der protestan­tischen Öffentlichen Theologie aufgenommen wird49.

  1. Auswirkungen auf die Konfessionalität

Konfessionelle Fragen spielen nicht nur in der allgemeinen Öffentlich­keit seit längerem keine Rolle. Der Leitgedanke der Ambiguität auf katholischer Seite und die ethische Wendung im Protestantismus tra­gen dazu bei, dass konfessionelle Fragen und Kontroversen auch in den Kirchen in den Hintergrund treten – in den Gemeinden ebenso50 wie im theologischen und religionspädagogischen Fachgespräch51. Ist doch nach H.Bedford-Strohm angesichts einer „Verschiedenheit, die versöhnt ist“, die „Praxis … der Theorie oft voraus.“52

Führen diese Entwicklungen in beiden Kirchen zu einem nachkon­fessionellen Zeitalter? Anzeichen hierfür könnten – so die hannoveri­sche Superintendentin P.Bahr – ein „konfessioneller Kanzeltausch“53 und die Begehung des Reformationsjubiläums 2017 als ökumenisches ‚Christusfest‘ sein, sowie dass „Protestanten … heute Fronleichnam mitfeiern“, „das katholischste der Feste“54.

Damit könnte auch die Zeit einer konfessions-spezifischen Erziehung abgelaufen sein. Und evangelische und katholische Sitten, Bräuche, Kunstwerke wären nur noch – kulturgeschichtlich durchaus erhaltens­werte – Zeugnisse konfessioneller Folklore. – –

Die symbolischen Akte der Geschwisterlichkeit werden von vielen begrüßt. Doch bestehen – sieht man von den wichtigen Annäherungen der Kirchen bei der Rechtfertigungslehre in der „Gemeinsamen Er­klärung“ von 1999 ab55 – alle wesentlichen Lehrdifferenzen fort. Auf sie wird in der „Gemeinsamen Erklärung“ selbst hingewiesen: auf „unter anderem das Verhältnis von Wort Gottes und kirchlicher Lehre sowie die Lehre von der Kirche, von der Autorität in ihr, von ihrer Einheit, vom Amt und von den Sakramenten, schließlich von der Be­ziehung zwischen Rechtfertigung und Sozialethik.“ (GER, Nr.43).

Diese Differenzen weisen nicht nur auf äußerliche Unterschiede, son­dern auf Kernfragen des christlichen Glaubens, letztlich auf die Stel­lung des Menschen vor Gott. Dass diese Fragen derzeit in beiden Kir­chen kaum diskutiert werden, könnte man als Zeichen der Befriedung der konfessionellen Konflikte verstehen. Naheliegender ist allerdings, dass es ein Symptom für zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber den Fragen der Glaubenswahrheit ist – und die Gleichgültigkeit wiederum ein Indiz für abnehmende Lebenskraft der beiden Konfessionskirchen.

Die Ablehnung der Konfessionalität lässt außer Acht, dass es von der Mehrstimmigkeit der Evangelien an bis heute kein Christentum ‚an sich‘ gibt. Es existiert ausschließlich in unterschiedlichen Prägungen, die sich im Lauf der Geschichte als Konfessionen verfestigt haben56. Diesem Faktum entgeht auch das Postulat eines ‚überkonfessionellen‘ Christentums nicht. Es wird entweder aus der Perspektive einer der Konfessionen erhoben – oder fügt eine weitere bei. Zugleich schwächt es nicht nur die historisch gewordenen Kirchen. Es hätte auch negati­ve Auswirkungen auf deren Bedeutung für die Gesamtgesellschaft.

  1. Gesellschaftliche Umbrüche

Die religiöse Pluralisierung und Individualisierung geschieht im Rah­men einer seit längerer Zeit stabilen gesellschaftlichen Großwetterla­ge. Ihr Kennzeichen ist eine „Magie der Mitte“57. Sie führt zu einer generellen „Symmetrisierung“58, d.h. zum Bestreben, ethnische, natio­nale, kulturelle, soziale und auch religiöse Unterschiede und Differen­zen möglichst weitgehend auszugleichen und einzuebnen.

Spaltungen und Granularisierung59

Doch neben der Suche nach Ausgleich und Einheit entwickeln sich seit etwa 2010 zentrifugale Kräfte, die auf den „Zerfall(s) des Wes­tens“ zielen (Herfried Münkler)60. Digitalisierung, ökonomische Dis­paritäten und Machtkämpfe, Umweltkatastrophen und globale Migra­tionsströme aus fremden Kulturen und Religionen haben disruptive Folgen, wie sie Christophe Guilluy beschreibt61. Befeuert durch das Netz wird europaweit das Streben nach Gemeinschaft und Symmetrie zunehmend von Zukunftsängsten und aggressiven Radikalisierungen überlagert. Sie führen auf der einen Seite zu „Gespaltene(n) Gesell­schaften“62 bis hin zur ‚Zerbröselung‘ und „Granularisierung“ (Chris­toph Kucklick/P.Dabrock)63, auf der anderen zu „Renationalisierung und Reethnisierung“64 – auch in Deutschland.

Auch hier wird das Nebeneinander von Pluralisierung und Subjekti­vierung durch ein Gegeneinander von Globalisierungskräften und Sin­gularitäten überlagert – und als Folge ein „Bedürfnis nach Zugehörig­keit“ zu nationalen bzw. „regionalen Identitätsgemeinschaften“ ausge­löst65. „Wiederentdeckung des Eigenen“66 wird zum Zukunftsprojekt67, „»Heimat« zu einem großen Thema der Gesellschaft“68.

Folgen für die Kirchen

Die Vorgänge in der Gesellschaft finden eine Entsprechung in den Kir­chen, mit ambivalenten Folgen:

Belastend, sofern sich in ihrem Verhältnis aufs Neue Distanzierungen andeuten, so etwa katholischerseits im Blick auf Eucharistiezulassung, Medizinethik und Homosexualität, evangelischerseits im Blick auf se­xuelle Missbrauchsfälle durch Repräsentanten der Kirche69.

Zugleich spiegeln sich die gesellschaftlichen Spannungen darin, dass kirchlichen Gruppierungen, die sich von (Lehr-)Traditionen lösen, zu­nehmend solche gegenüberstehen, die – besorgt um den Verlust des konfessionell Eigenen – verstärkt dazu zurückkehren wollen.

In der Katholischen Kirche verschränkt sich mit diesen Entwicklun­gen eine Unruhe, die durch die von Papst Franziskus ausgehenden Re­formimpulse ausgelöst wurde. So ist zu lesen: „Im Moment herrscht“ in der Katholischen Kirche „ein Bürgerkrieg im Untergrund zwischen den Reformfreudigen und den Konservativen“70 – wobei der gesamte Konflikt durch einen auf hoher Ebene sich ereignenden „Macht­kampf“ im Umgang mit sexuellem Missbrauch überlagert wird71.

Die Veränderungen in der deutschen Sozialstruktur können jedoch die Stellung der Kirchen in der Gesellschaft auch stärken.

Das durch Spannungen und Spaltungen in der Gesellschaft ausgelös­te Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft wird geprägt vom „zentralen Merkmal der Singularitäten“: einer „extremen Relevanz der Affekte“72. Wenn der Soziologe Wolfgang Streeck betont, „Jeder braucht eine Gemeinde“73, dann geht es daher nicht nur um eine äuße­re Gruppenzugehörigkeit. Angesichts verbreiteter „emotionaler(n) Ob­dachlosigkeit“74 geht es um affektiv-emotionale Verbundenheit, wie sie im Begriff Heimat und in „Liebe zur … Heimat“ mitschwingt75.

Jeder Mensch ist mehrfach ‚beheimatet‘, so u.a. in Sprache und Kul­tur. Heimat als „unverzichtbarer Anker in Zeiten der Globalisierung“76 kann auf tiefste Weise in „religiösen Kollektiven“77 gefunden werden – für uns Christen: in den Kirchen. Sie haben das Potenzial, in einer Zeit anschwellender Zukunftsängste eine Geborgenheit und Beheimatung besonderer Art zu bieten (Matthäus 18,20/28,19ff.; Johannes 16,33).

  1. Angebot der Kirchen

Das Angebot der Kirchen, in ihnen beheimatet zu sein, stößt in der Ge­sellschaft derzeit allerdings weithin auf Skepsis, wenn nicht gar Ableh­nung. Nach der „Vermächtnis-Studie“ aus dem Jahr 2018 spielt in der deutschen Bevölkerung eine „gemeinsame Religion“ für Heimat „die geringste Rolle“78. Die Kirchen-Austritte nehmen sprunghaft zu, wobei die evangelische und die katholische Kirche gleichermaßen betroffen sind79. Parallel hierzu nimmt das Vertrauen zu ihnen rapide ab. Nach einer 2019 veröffentlichten Umfrage „steht es“ in Deutschland „um das Vertrauen zu den beiden großen Kirchen besonders schlecht“. Da­bei fällt auf, dass nach dieser Umfrage im Vergleich mit einer früheren das Vertrauen zur Evangelischen Kirche stärker abgenommen hat als das zur Katholischen Kirche (minus 10 zu minus 9 Prozent)80.

Im Vertrauensverlust spiegelt sich laut dieser Umfrage ein genereller Trend: „Gesellschaftliche Institutionen verlieren bei Deutschen insge­samt“. Bei den Kirchen aber kommen die schlimmen „Missbrauchs- und Finanzskandale(n)“81 hinzu. So entstand ein Framing-Prozess82, bei dem sich – meist durch Medien vermittelt83 – mit dem Begriff ‚Kirche‘ zunehmend negative Assoziationen verbinden und verstetigen, unab­hängig von konkreten Fakten. In der Folge entwickelte sich neben der Abkehr von Kirche ein neuer Frömmigkeitstypus: ein bewusstes Christsein außerhalb der Kirchen (‚believing without belonging‘).

Die Kirchen wissen, dass sie – freilich auf strukturell unterschiedli­cher Ebene – Schuld eingestehen, sich um Sühnung bemühen und ver­suchen müssen, neues Vertrauen zu erwerben. Daneben müssen sie den negativen Frame durchbrechen, indem sie im Sinn des bis 2022 gesetz­ten Schwerpunktthemas der Evangelischen Kirche in Bayern ihr Profil schärfen und deutlich machen, dass sie nicht jeweils eine gesellschaft­liche Institution unter vielen anderen sind und dabei nur „die stehen­den Elemente von Festreden der Gegenwart (»Verantwortung überneh­men«, »Toleranz«, »gerecht sein«…) durch Gottesbezug bekräftigen“84. Und sie müssen betonen, dass sie als „Leib Christi“ (Epheserbrief 4, 12) singulär und nicht nur eine Religion unter vielen anderen bilden85. Und klar und eindeutig Antwort auf die Pilatus-Frage geben: Existiert (Glaubens-)Wahrheit als Plural oder nur als Singular? Ist Wahrheit nur ein Begriff oder eine Person – Jesus Christus? (Johannes 14,6)

Die Kirchen im Zeichen dialogisch-dialektischer Ökumene

Die Kirchen sind singulär gegenüber der Gesellschaft und gegenüber Religionen, und sie werden geprägt durch ein asymmetrisches Subjekt-Subjekt-Verhältnis: In ihm ist Gott in Christus als Agierender das pri­märe Subjekt („God first“), und die Kirchen sind re-agierende sekun­däre Subjekte86. Unter dieser Vor-Gabe stehen sie – gemäß Epheser­brief 4,4ff. – zueinander in „dialogisch-dialektischer“ Ökumene87.

Die Kirchen stehen zueinander in dialogischer Ökumene als das eine, über die ganze Erde (‚kat’-holän-gän‘) sich erstreckende ‚wandernde Gottesvolk‘ (Augustinus, vgl. 2.Mose 40,34ff./Hebräerbrief 12,1). In den ‚ökumenischen‘ Bekenntnissen verbunden88, stehen die Kirchen gemeinsam in der auf die Zukunft im Reich Gottes zielenden Exodus-Tradition (Hebräerbrief 13,14), die im Alten Testament begründet und zur Basis der Welt wurde, „in der wir heute leben“89.

In dieser Tradition bilden die Kirchen miteinander kommunizierende Erzählgemeinschaften. Das heißt: Sie bekennen, dass sie der Dreieine Gott in unwandelbarer Treue durch allen Wandel der Zeiten bis zum Ende der Geschichte begleitet und zu diakonischem Handeln befähigt. Zugleich wissen sie gemeinsam von menschlicher und damit auch ei­gener Unzulänglichkeit und Sündhaftigkeit, nicht zuletzt im Umgang miteinander! Sie wissen aber auch von Vergebung, Geborgenheit, Hil­fe – und der Gnade immer neuer Aufbrüche und Anfänge.

Die Kirchen stehen zueinander in dialektischer Ökumene als Konfes­sionskirchen, die in ihren Bekenntnissen um die richtigeren Antworten auf den An-Spruch des Dreieinen Gottes ringen90. Dadurch fordern sie einander heraus, können sich ergänzen, (Glaubens-)Alternativen bie­ten, erkannte Fehlentwicklungen kritisieren und zu vermeiden suchen.

Die Kirchen als soziale Bänder einer Gesellschaft im Wandel

Die dialogisch-dialektische Struktur trägt nicht nur zur Vitalität der Kirchen bei. Sie entsprechen damit auch den Bedingungen von Hei­mat, die im Sinn des „spatial turn“ durch translokale Verbundenheit in konkreten sozialen Räumen konstituiert wird91.

Angesichts dieser Tatsache kann in scheinbar paradoxer Weise den Kirchen der Mitgliederschwund zugutekommen, wenn sie dessen Chance wahrnehmen: nicht anonyme Großorganisationen zu sein, son­dern gerade in profiliert konfessioneller Gestalt überschaubare, durch jeweils charakteristische Erkennungszeichen vor Ort ein „Wir-Ge­fühl“92 und somit Zusammengehörigkeit bietende Gemeinschaften.

Dadurch können die Kirchen dem Spannungsfeld von Globalisierung und Individualisierung gerecht werden und in Zeiten von Unbehaust­heit „zum Gemeinwohl von pluralistischen Gesellschaften“ beitra­gen93. Sie sind international ohne no-border-ideologisch, lokal bzw. regional ohne nationalistisch, identitätsstiftend ohne identitär zu sein. So bieten sie jenseits von Totalitarismus, Nationalismus, Rassismus und politischem Streit die Möglichkeit eines Rück-Halts, eines „sozia­len Bandes“, „die die moderne Gesellschaft letztlich nicht hergibt“94:

  • Die Kirchen sind global95, sieht man katholischerseits auf die welt­weite Organisation und auf das universale Band der römischen Messe; und denkt man evangelischerseits an die Weltgemeinschaft Reformier­ter Kirchen und den Lutherischen Weltbund, sowie daran, dass z.B. deutschsprachige lutherische Christen mit M.Luthers Bibelüberset­zung ein „portatives Vaterland“ besitzen96.
  • Sie sind lokal durch ihre „Verortung“97 in konkreten Gemeinden mit derem jeweils vertrauten Ensemble von Bauten, Kunstwerken, Traditi­onen, Bräuchen, dazu durch Personen und individuelle Erinnerungen.
  • Die Kirchen sind antitotalitär, sofern bzw. wenn sie je eigenständi­ge Alternativen darstellen und sich dadurch in ihrem jeweiligen Gel­tungsanspruch – und auch in ihren Machtansprüchen! – begrenzen.

All dies wirkt sich auf die Konfessionalität aus. Sie bedeutet nicht mehr Trennung, sondern wird ein wichtiger Beitrag zu kirchlicher Be­heimatung. Er wird geleistet, wenn die Kirchen in dialogisch-dialek­tischer Ökumene neben bleibend geschwisterlicher Verbundenheit zu ihren Differenzen stehen und sie nicht in oberflächlich ausgelegter ‚versöhnter Verschiedenheit‘98 verdrängen. So tragen sie zugleich dem neutestamentlichen Zeugnis vom Schon-und-noch-nicht des Reiches Gottes Rechnung (Lukas 17,21/Offenbarung des Johannes 21,3).

Konkret heißt dies: Sie sollen sich in der Gewissheit des ‚Unum in Christo‘ gemäß ihrer je eigenen Bekenntnisse und mit ihren je eigenen Frames zur Konfessionalität bekennen99, sie zukunftsoffen gestalten, nach außen hin vertreten – und so zu haltgebenden Gemeinschaften in unübersichtlicher Zeit werden. Damit können sie der Gesellschaft und in ihr der jungen Generation einen Dienst besonderer Art leisten.

Mit dem Dienst an der Jugend sichern sie gleichzeitig die eigene Zu­kunft. Hierbei stehen der evangelischen Kirche drei sich vielfach be­rührende Wege zur Verfügung: der Religionsunterricht, die Konfirma­tionsvorbereitung und die Kinder- und Jugendgruppen. Im Zentrum dieser Untersuchung steht der erste Weg: der Religionsunterricht.

Religionsunterricht: Wege zu zukunftsoffener Konfessionalität

Der Religionsunterricht ist als „das religionspädagogische Handlungs­feld mit der größten Reichweite“ für den Fortbestand der Kirchen und für ihre öffentliche Wertschätzung von größter Bedeutung. Er bietet ihnen „über Jahre die höchste Kontaktdichte zu Kindern und Jugendli­chen“100 und findet – entgegen manchen Medienberichten – eine „rela­tiv hohe Zustimmung“ in der Bevölkerung101. Zugleich ist er in seiner „besondere(n) Prägung als konfessionell gebundene Veranstaltung“ – und nur als solcher – verfassungsrechtlich geschützt (GG Art.7/3)102.

Als „integraler Bestandteil der Schule“103 hat der Religionsunter­richt nicht nur einen allgemeinen und schulartspezifischen Bildungs­auftrag. Als kreativ und zukunftsoffen gestalteter konfessioneller Un­terricht ist er zugleich in besonderer Weise geeignet, im Rahmen dia­logisch-dialektischer Ökumene religiöse Identität zu vermitteln. Er gibt der jungen Generation Hilfen zur Orientierung gegenüber ande­ren Konfessionen, Glaubensgemeinschaften und Weltanschauungen104. Er ermutigt zum Engagement in der Gesellschaft von morgen.

Bei der Einlösung dieser Zielvorgaben bestehen jedoch erhebliche Probleme. Zwar werden schon aus Rechtsgründen die Forderungen vergeblich bleiben, im Zuge des gesellschaftlichen Wandels und damit verbundener Änderungen im Verhalten gegenüber dem christlichen Glauben den Religionsunterricht ersatzlos abzuschaffen oder durch ein Fach Ethik/Philosophie zu ersetzen105. Dennoch zwingt die ständig ab­nehmende Zahl konfessionell gebundener Jugendlicher, neben der bis­herigen Konzeption des konfessionellen Unterrichts Alternativen zu entwickeln, da speziell für die Jugendlichen der Minderheits-Konfes­sion zum Teil keine eigenen Lerngruppen gebildet werden können106.

  1. Modelle konfessioneller Kooperation

Als Reaktion auf die gesellschaftlichen und religionsdemographischen Entwicklungen ist für allgemeinbildende Schulen ein „konfessionell-kooperativer(n), dialogisch ausgerichteter(n) Religionsunterricht“107 im Gespräch. Derzeit werden in Bayern unter Beachtung der Bekenntnis­bindung gemäß GG 7/3 vor allem zwei Varianten diskutiert.

  • Bei Variante I werden die konfessionshomogenen Lerngruppen bei­behalten, aber in enger Abstimmung unterrichtet: durch Kompetenzen­abgleich, Perspektivenverschränkung, Teamteaching, Lehrertausch, je­doch aus Rechtsgründen mit getrennten Lernkontrollen. Dabei wird angedacht, diese Modellvariante durch Einbezug „andere(r) Religio­nen“ im „Sinne einer konfessionell-kooperativen Profilierung weiter­zuentwickeln“108 und für Jugendliche fremder Religionen zu öffnen.
  • Variante II, der „Religionsunterricht in »erweiterter Kooperation«“, ist ein Modell für extreme Diasporasituationen, in denen konfessionel­ler Unterricht „in der bisherigen Form nicht mehr organisiert werden kann“, und diese Form wird wohl in Zukunft „steigende(n) Verbrei­tung“ erfahren109. Es ist ein durchgängig gemeinsamer Unterricht für alle zum christlichen Religionsunterricht angemeldeten Jugendlichen, mit einer konfessionsgebundenen Lehrkraft, die in die eigene, aber auch in die andere(n) Konfession(en) einführen soll.

Ein Vorzug beider Varianten ist, dass sie über die organisatorischen Erfordernisse hinaus den Dialog und damit den ersten Teilaspekt der ‚dialogisch-dialektischen Ökumene‘ fördern können. Außerdem bieten sie Möglichkeiten zu mehrperspektivischem Lernen sowie zur Ent­wicklung von Differenzkompetenz110.

Beide sind aber auch mit Erschwernissen und didaktischen bzw. strukturellen Problemen verbunden. Die wichtigsten:

Schon bei Variante I, die dem herkömmlichen Unterricht nahesteht, belasten die jeweils unterschiedlichen Unterrichtsstile die Jugendli­chen wie die Lehrkräfte. Für die letzteren entstehen zudem Mehrbe­lastungen durch die Notwendigkeit laufender Absprachen bei Team­teaching und Lehrertausch, bei der Abklärung der Zeitphasen und Lernbereiche, bei der Synchronisation der Lernfortgänge, sowie bei der Abstimmung der Leistungsanforderungen und -bewertungen.

Zusätzliche Probleme ergeben sich bei der zweiten Variante. Dieses Modell muss aus Rechtsgründen als „eigenständige Regelform des konfessionellen Religionsunterrichtes“ durchgeführt werden und zwar als Unterricht derjenigen Konfession, „der die unterrichtende Lehr­kraft angehört“111. Doch ist fraglich, ob diese Konstruktion von den Erziehungsberechtigten der anderen Konfession bzw. deren Jugendli­chen akzeptiert wird, oder ob sie dann nicht für den Ethikunterricht votieren. Ungeklärt ist auch die Wertung der Leistungserhebungen im Unterricht der anderen Konfession (z.B. für die Versetzungserheblich­keit und die Wahl von Religionslehre als Abiturfach).

Das zentrale Problem des zweiten Modells nennt das ‚Strategiepapier Religionsunterricht 2018‘: „Die Herausforderung“, „die Perspektive der jeweils anderen Konfession differenzsensibel in den Unterricht zu integrieren“, obgleich „die zu verschränkenden Perspektiven in ihm asymmetrisch vertreten sind“112. Ist diese Integration durch die Lehr­kraft der anderen Konfession überzeugend zu leisten? Vieles spricht dafür, dass sie den ‚fremdkonfessionellen‘ Unterricht nur im Sinn von Religionskunde gestalten wird, kann sie doch authentisch nur aus der Perspektive der eigenen Konfession unterrichten. Spezifica der Schwesterkonfession vermag sie bei aller Empathie nur als ‚Außen-Seiterin‘ aufzuzeigen113. Und hierfür ein zeitlich begrenzter Einsatz durch eine Lehrkraft der anderen Konfession ist kaum organisierbar.

Beide Modelle schließlich lassen wichtige Fragen offen. Zunächst: Werden die Jugendlichen ein jeweils konsistentes Bild der Konfessio­nen gewinnen, oder verschwimmen deren Profile für sie, sodass ein ‚Glaubens-Mix‘ entsteht, und sie weder in der einen noch in der ande­ren Konfession Beheimatung finden? Und daran anschließend: Wie kann deutlich werden, aus welchen Gründen die konfessionellen Dif­ferenzen bestehen, und warum es ein Gewinn ist, die Glaubensformen der eigenen Konfession zu bejahen – und sich darüber auch zu freuen?

So erweist sich als sachgerechtestes Kooperationsmodell ein konfes­sionsspezifischer Unterricht mit der ‚Dreierhomogenität‘ von Lehr­kraft, Inhalt und Schülerschaft, der zugleich im Rahmen dialektisch-dialogischer Ökumene nach und nach phasenweise zur anderen Kon­fession hin geöffnet wird (s. S.31). Sofern die schulorganisatorischen Vorgaben dieses Modell zulassen, sollte es deshalb gefördert werden.

Variante I bringt ihm gegenüber keine wesentlichen Vorteile, vor allem nicht im Blick auf den Rückgang der Schülerzahlen der konfes­sionellen Minderheit. Variante II kann bei einer entsprechenden Lage­verschärfung nur eine Notlösung sein. Sie muss durch Blockveranstal­tungen flankiert werden, in denen sich die Minderheit als Gemein­schaft erleben und – ggfs. auch durch Kontakte mit Vertretern der ört­lichen Kirchengemeinde – ein ‚Wir-Gefühl‘ entwickeln kann114.

Unabhängig von den Organisationsmodellen aber stellt sich ange­sichts der religionssoziologischen und schulischen Situation eine ge­nerelle Frage: Wie kann im Religionsunterricht erreicht werden, dass die Jugendlichen unter dem Vorzeichen „ökumenischer Offenheit und konfessioneller Eindeutigkeit“115 auf der einen Seite mit der eigenen Glaubensgemeinschaft vertraut werden, ihr gerne angehören und aus deren Lebensformen heraus ihr persönliches Frömmigkeitsprofil ent­wickeln – und auf der anderen Seite die konfessionellen Eigenarten der Partnerkirche kennen und achten lernen116?

Im Blick auf mögliche Antworten ist alles im Fluss117. Im ‚Strategie­papier 2018‘ erhofft man sich Klärungen und Lösungsmöglichkeiten auf drei Ebenen: auf der Ebene der Lehrerausbildung und -fortbildung, auf der Ebene der fachdidaktischen Diskussion und auf der Ebene der wissenschaftlichen Begleitforschung118.

Vorab aber ist das Verhältnis von Konfessionalität und Subjektorien­tierung des Religionsunterrichts zu klären.

  1. Subjektorientierung und Konfessionalität

Subjektorientierung als Orientierung an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen brachte u.a. Karl E. Nipkow schon in den 1980er Jahren in die Religionspädagogik ein. Sie wurde ein Schlüsselbegriff der ak­tuellen Fachdiskussion119.

Dabei fällt auf, dass bei der Subjektorientierung des Religionsunter­richts im Kontext seiner konfessionellen Profilierung drei Aspekte weithin ausgeblendet werden: zum einen die Erlebnisse und Erfahrun­gen von Jugendlichen mit Konfessionalität im familialen, gesellschaft­lichen und z.T. im kirchlichen Umfeld; zum anderen die geschlechts­spezifischen Unterschiede, die vor allem in den jüngeren Lebensjah­ren bestehen120. Schließlich wird die Altersdifferenzierung zu wenig bedacht. Doch gerade sie ist im konfessionellen Kontext wichtig.

Spätestens ab 1974, seit James W.Fowlers Forschungen121, wurden Stufentheorien der religiösen Entwicklung diskutiert, ab den 90er Jah­ren sind deren „wichtigste(n) Hypothesen“ allgemein anerkannt122. Ih­nen zufolge lassen sich im Blick auf konfessionell profilierten Unter­richt – ohne starre Abgrenzungen und mit vielfachen Überschneidun­gen – drei Entwicklungsstufen, besser: Phasen, unterscheiden.

  • In der ersten Phase (1. bis ca. 5.Jahrgangsstufe) reicht die Einstel­lung der Kinder zu Glauben und Religion von fehlender Erfahrung bis hin zu ‚theozentrischem‘ Denken, wonach alles Geschehen und Erle­ben von Gott bestimmt wird. Unterschiede zwischen den Konfessio­nen und Religionen werden durchaus wahrgenommen, Grundsatzfra­gen hierzu finden aber wenig Interesse. Primär geht es den Kindern darum, einer positiv erlebten Gemeinschaft anzugehören. Wichtig sind dabei Marker im Sinn mittelalterlicher ‚Feldzeichen‘. Sie haben eine doppelte Funktion: Sie signalisieren „Zugehörigkeit“ zu einer „Ge­meinschaft“123 und gleichzeitig Abgrenzung gegenüber Anderen124.

Dabei handelt es sich im Blick auf die Konfessionen meist um keine ‚großen‘ Unterscheidungslehren. Es sind (Kirchenjahres-)Bräuche und Ri­ten wie das Niederknien und Bekreuzigen oder – ehedem – das Fal­ten der Hände im Gebet, und es sind oft scheinbare Nebensächlichkei­ten wie einzelne Worte: Halleluja – Alleluja, oder: Kapernaum – Kafar­naum. Große Bedeutung haben Kernlieder bzw. Kerntexte mit konfes­sionellem ‚Frame‘: hier „Jesus Christus herrscht als König“ (GB 123), dort „Gegrüßet seist du, Maria“. Lebensbegleitend können biblische Wortprägungen werden wie Psalm 23,1. Hier: „Der Herr ist mein Hir­te, mir wird nichts mangeln“ (M.Luther) – Dort: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ (Katholische Einheitsübersetzung).

  • Auch in der zweiten Phase (ca. 5. bis 9.Jahrgangsstufe) ist Gemein­schaft maßgeblich, doch in neuer Form: im konkreten Miteinander wird sie zur „»Kumpelbeziehung«“ mit „Perspektivenübernahme“ aus der Peergroup bzw. als Orientierung an „Gleichaltrige(n) und Erwach­sene(n), die potentiell bedeutende Andere sind“125. Daneben werden Kontakte in Online-Foren immer wichtiger. Die Beziehung zu den Konfessionen wird personalisiert126. Das heißt: Ihre Glaubwürdigkeit und ‚Wahrheit‘ entscheidet sich in hohem Maß an positiv oder negativ erlebten Begegnungen mit Personen aus dem kirchlichen Umfeld.
  • In der dritten Phase (ca. 9. bis 13.Jahrgangsstufe) erreichen Jugend­liche zumindest ansatzweise Stufe 4 des Fowlerschen Stufenmodells, den „individualisierend-reflektierenden Glauben“127. Nun tritt die Ori­entierung an Gemeinschaft(en) zurück zugunsten eigenständiger Ur­teilsbildung. Jetzt – meist erst jetzt – entwickeln junge Menschen die Fähigkeit zu Perspektivenwechsel, Verständnis für das dialogisch-dia­lektische Verhältnis der Konfessionen, sowie „ökumenische(r) Diffe­renzkompetenz“ und Befähigung zu „multiperspektivischem(s) Ler­nen“128. Zugleich wächst bei vielen Heranwachsenden die Fähigkeit und das Interesse an ‚intellektueller‘ Auseinandersetzung mit Wahrheit – mit dem Ziel, persönliches, existentielles Wissen zu gewinnen.
  1. Jugendgemäßes und konfessionell profiliertes Unterrichten

Konfessionelle Profilierung als ein Sektor des Religionsunterrichts hat drei Perspektiven gerecht zu werden. Sie muss generationenübergrei­fend, somit traditionsbewusst gestaltet werden. Sie muss die Lebens­wirklichkeit der Jugendlichen berücksichtigen129. Und sie muss zu­kunftsoffen sein und dabei zu bewusster und bejahender Mitgliedschaft in einer Konfessionsgemeinschaft motivieren.

Nicht zuletzt aus diesem Grund sollte man darum bemüht sein, Ju­gendliche nach dem Maß ihrer Befähigung und Reife an der jeweili­gen Konzeption und konkreten Gestaltung des konfessionell profilier­ten Unterrichts aktiv zu beteiligen.

Evangelische bzw. katholische Schüler erleben ihn vielerorts als Minderheit gegenüber Jugendlichen der anderen Konfession und an­gesichts oft vom höheren Rang ihrer Religion überzeugten Muslimen bzw. in einer religiös ungebundenen oder areligiösen Umgebung. Die­se Situation wird sich nach den Prognosen in Zukunft noch verstärken. Deshalb sollte das konfessionell profilierte Unterrichten als ‚hidden curriculum‘ eine selbstbewusste Zugehörigkeit ohne Minderwertig­keitsgefühl und ohne elitäre Überheblichkeit zum Ziel haben.

Unter Berücksichtigung der drei Entwicklungsphasen der Jugendli­chen sowie ihres außerschulischen Erlebens bieten sich für ein konfes­sionell profiliertes Unterrichten als Schwerpunkte ‚Kennenlernen‘, ‚Erkunden/Begegnen‘ und „Reflektierte Positionalität“ an130.

  • In Phase 1 sollte es unter ‚Kennenlernen‘ primär um Unterrichtsver­fahren gehen, die gemeinschaftsbildend sind und für die eigene Kon­fession charakteristische Elemente vermitteln. Dies ist umso dringli­cher, je stärker die Jugendlichen in konfessionelle bzw. religiöse Min­derheitssituationen geraten. Große Bedeutung haben hierzu Lehrerer­zählungen von Personen und Ereignissen aus dem lokalen und überre­gionalen Bereich, ferner gemeinsames Singen, das Erklären und Ein­üben kirchlichen Brauchtums und, wenn möglich, Erkunden der eige­nen Ortskirche. Wichtig ist in Phase 1 auch das Auswendiglernen zen­traler Bibelverse in der im Gottesdienst üblichen Fassung (evangeli­scherseits Lutherübersetzung), sowie von Liedstrophen, z.B. von Paul Gerhardt – wobei die meisten Kinder Freude an Gereimtem haben!
  • In Phase 2 sollte unter dem Schwerpunkt ‚Erkunden und Begegnen‘ der Aktionsradius des Unterrichts ausgeweitet werden:

Die Forderung, die R.Kabisch bereits 1910 erhoben hat, gilt zwar bereits für die erste Entwicklungsphase. Sie gilt jedoch vor allem für die zweite: Der Religionsunterricht „schaffe Erlebnisse“131. So ist nun im Blick auf konfessionelle Profilierung neben vertiefender – auch kritischer – Arbeit an (Sach-)Texten und Bildern zu Kirchengeschichte und kirchlicher Gegenwart die ‚hohe Zeit‘ konkreter Begegnungen mit der eigenen Kirche durch Projekte, Exkursionen und Aktionen, wobei Ganztagsschulen besondere Chancen bieten. Wünschenswert sind – nach Abgleichung mit der Konfirmandenarbeit – u.a. Jugendgottes­dienste, Besuche kirchlicher Einrichtungen und Kontakte mit Persön­lichkeiten aus dem örtlichen Gemeindeleben, indem etwa Organisten, Kirchenvorsteher, Jugendleiter und Pfarrer aus der Arbeit berichten und sich der Diskussion stellen. Außerdem können die Gemeinden or­ganisatorische, eventuell auch finanzielle Hilfen bereitstellen.

In dieser Phase der konfessionellen Profilierung ist es auch wichtig, die vielfältigen Angebote und Möglichkeiten der digitalen Medien in kreativer und kritischer Weise in den Unterricht einzubeziehen, u.a. auch durch Analysen von Websites mit kirchlicher bzw. konfessio­neller Thematik132, sowie durch die Erstellung entsprechender Seiten.

Außerdem sollte durch eingeschobene konfessionell-kooperative Un­terrichtssequenzen und Projekte das ökumenische Bewusstsein der Ju­gendlichen gestärkt und ihnen damit die konfessionsverbindende Di­mension der dialogisch-dialektischen Ökumene bewusst werden.

Weitere Schwerpunkte ab Phase 2 bilden die Erörterung zentraler Glaubenslehren und Frömmigkeitsformen der eigenen Konfession, so­wie die Auseinandersetzung mit ihnen im Vergleich zu jenen anderer Konfessionen. Daneben sollte versucht werden, konfessionelle Traditi­onen in die aktuelle Lebenswirklichkeit zu übersetzen, aber auch neue Sprachformen und Bräuche zu diskutieren bzw. zu erproben. Schließ­lich sollten die Jugendlichen zum Engagement in der Ortsgemeinde ermuntert werden, z.B. in einer Jugendgruppe oder einem Helferkreis.

  • Neben Weiterführung all dieser Aktivitäten geht es in Phase 3 um ‚reflektierte Positionalität‘, wie sie M.Pirner in seiner „Öffentlichen Religionspädagogik“ skizziert133. Hierbei sollten in vertiefter Weise Wesenszüge der eigenen Konfession mit ihren Stärken und auch dunk­len Seiten behandelt werden. Daneben sollten neue Konfessions-Em­bleme sowie Szenarien und mögliches Engagement in einer Kirche der Zukunft diskutiert werden, die keine flächendeckende Parochial­struktur mehr besitzt. Wichtig ist zudem die Erörterung von gesell­schaftsdiakonischen Aufgaben der Kirche, des Verhältnisses zu ande­ren Konfessionen, sowie von Gegensätzen zu fremden Religionen und von Kooperationsmöglichkeiten mit ihnen im Sinn des Konziliaren Prozesses von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Außerhalb jeder Beurteilung, gar Bewertung, haben in dieser Phase auch Fragen der persönlichen religiösen Einstellung einen Platz134.

Didaktische Wege sind vor allem Information (auch durch Recherche mit Präsentation), Diskussion, interkonfessionelle Unterrichtssequen­zen und Streitgespräche. In dieser Phase – wegen der hierzu nötigen Differenzierungskompetenz wohl erst in ihr – können im Rahmen des Unterrichtes Kontakte und Diskussionen mit Vertretern nichtchristli­cher Weltanschauungen und Religionen ein Gewinn sein.

  1. Vernetzung des Unterrichts

Schon im 19.Jahrhundert herrschte Konsens darüber, dass konfessio­nelles Erziehen in einem „Gesamtkatechumenat“ erfolgen muss, wo­bei „Haus, Schule und Kirche“ zusammenwirken135. Unter den Bedin­gungen des 21.Jahrhunderts ist diese Forderung besonders dringlich.

So fordert 2018 auch die evangelische Landessynode in Bayern die „Kooperation aller Beteiligten im Lebensraum »Schule«“136.

Kontakt zu den Eltern

Bestand und Gelingen eines konfessionell profilierten Religionsunter­richts hängt zu wesentlichen Teilen von den Eltern ab. Zu wünschen ist deshalb, dass sie Grundkenntnisse über religiöse Entwicklungspha­sen und auch über altersbedingte Glaubenskrisen ihrer Kinder besit­zen137. Außerdem sollten sie „ein Gefühl“ dafür haben, dass in der gra­nularisierten Gesellschaft eine haltgebende „Heimat und Zugehörig­keit“ zu einer Glaubensgemeinschaft „lebenswichtig“ ist138.

Aus diesem Grund sollten die Eltern dem konfessionell profilierten Unterricht aufgeschlossen, besser noch: fördernd gegenüberstehen. Konkret geschieht das, wenn Eltern mit den Kindern über Kirche und Glauben diskutieren, wenn in der Familie entsprechende Bräuche und Riten gepflegt und gemeinsam kirchliche Veranstaltungen besucht werden. All dies schafft eine Rahmung, die konfessionellem Unter­richt für die Kinder einen konkreten Lebensbezug gibt.

Allerdings ist ein Blick auf die Realität ernüchternd. Es gibt zwar en­gagierte Eltern, doch nicht wenige sind uninteressiert. Andere fühlen sich überfordert, manche haben auch Vorbehalte gegenüber Religion. Hinzu kommen oftmals eine zu geringe religiöse Sprachfähigkeit bei Eltern wie den Kindern139, mangelndes Wissen der Eltern über ihre bzw. über andere Konfessionen und nicht zuletzt kritische Anfragen an die eigene Kirche. Spezielle Probleme hinsichtlich des konfessionellen Unterrichts stellen sich mitunter in konfessionsverschiedenen Ehen.

Diese Situation erfordert, dass den Eltern Gesprächsforen und Infor­mationsmöglichkeiten angeboten werden. Das kann durch die Religi­onslehrkräfte, aber auch durch externe Fachleute und in Kooperation mit den örtlichen Kirchengemeinden geschehen. Zu denken ist an

– Einzelveranstaltungen, etwa über im Unterricht intendierte Kom- petenzen, über seine Inhalte, Methoden und Leistungserhebungen

– Themenabende, z.B. über die religiöse Entwicklung Jugendlicher, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Konfessionen, über ihre Bräuche, Feste, Feiern und Möglichkeiten ihres Begehens

– einführende Literatur und Schriften, z.B. Elternbriefe zu Fragen re­ligiöser Erziehung140.

Bei Informationsabenden und bei Schuleinschreibung sollten die Re­ligionslehrkräfte im Benehmen mit der Schulleitung darauf achten, be­teiligt zu werden und ihr Fach vorstellen zu können. Positive Reso­nanz können eigene Elternabende zum Religionsunterricht nach dem Übertritt der Jugendlichen in eine neue Schule finden. Schließlich bie­ten die allgemeinen Sprechtage und Sprechstunden die Chance, über Fragen konfessioneller Erziehung ins Gespräch zu kommen.

Mitwirkung an Schulauftrag und Schulleben

Im Rahmen seines schulartspezifischen Bildungsauftrags sind für den konfessionell profilierten Religionsunterricht fächerverbindende Pro­jekte wichtig.

‚Geborene‘ Kooperationspartner sind dabei die Lerngruppen der je­weils anderen Konfession; Projektthemen ergeben sich vor allem aus den vielfachen Lehrplan- bzw. Kompetenzparallelen. Dabei begegnen die Jugendlichen einerseits der Dialektik von Perspektivengleichheit und Perspektivendifferenzen, andererseits den Möglichkeiten einer konstruktiven Kooperation trotz bleibender Unterschiede. Auf diese Weise lassen gemeinsame Projekte die konfessionellen Religionsgrup­pen nicht nur dialogisch-dialektische Ökumene konkret erleben. Sie leisten zugleich wertvolle Bildungsarbeit.

Daneben sollten auch Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Fä­chern genutzt werden, nicht zuletzt mit den musischen Fächern. Ver­gleiche und Verschränkungen theologisch-ethischer mit natur- bzw. biowissenschaftlichen Perspektiven geben Orientierungshilfen für ein differenziertes Wirklichkeitsverständnis. Als wichtigen Nebeneffekt erfahren die Jugendlichen dadurch den vielschichtigen Lebensbezug des Faches Religionslehre.

Gleiches gilt im Blick auf fachinterne oder fachübergreifende freie Arbeitsgemeinschaften. Schülerinnen und Schüler sind vielfach bereit, sich in ihnen zu engagieren, etwa bei Umweltthemen. Vor allem Schu­len mit Ganztagsbetrieb bieten hierzu gute Möglichkeiten.

Neben der interdisziplinären Arbeit kann der dialogisch-dialektisch angelegte Religionsunterricht Akzente im allgemeinen Schulleben set­zen141, speziell auch, weil sich manche seiner Angebote nicht nur an die Schülerinnen und Schüler wenden, sondern an alle an der Schule Tätigen. Zu denken ist u.a. an die Mitwirkung bei schulischen Ge­denkfeiern und Veranstaltungen aus festlichem oder traurigem Anlass.

Vor allem besteht der Beitrag am Schulleben durch ökumenische Gottesdienste zu Schuljahresbeginn und -ende, zu Schulentlassungen sowie zu Stationen des Kirchenjahres. Drei Besonderheiten zeichnen diese Veranstaltungen aus:

  • Sie bieten schon ab der ersten Jahrgangsstufe eine sehr wichtige Ge­legenheit, Schülerinnen und Schüler an Planung und Durchführung zu beteiligen142 und dabei mit ihnen über Wesen und Bestandteile eines Gottesdienstes zu reden.
  • Sie heben die schulischen Funktions- und Rangunterschiede auf und schließen alle Besucher zu einer feiernden, hörenden und betenden Gemeinde zusammen – zu der auch Eltern willkommen sind!
  • Im dialektisch-dialogischen Verhältnis der Kirchen bringen sie in betonter Weise das dialogische Element zum Ausdruck. Im gemeinsa­men Feiern bilden sie zum konfessionell profilierten Unterricht das im Sinn der Ökumene notwendige komplementäre Gegenüber.

Das zuletzt Gesagte heißt nicht, dass alle gottesdienstlichen Veran­staltungen im Rahmen der Schule ökumenisch sein sollen, im Gegen­teil: Vor allem für die Jugendlichen der konfessionellen Minderheit ist wichtig, dass sie sich bei passenden Anlässen auch als eigene feiernde Gottesdienstgemeinde erleben.

Weitere Akzente im Schulleben kann der konfessionell profilierte Unterricht durch Projekte mit anschließenden Präsentationen setzen, etwa zu Elternabenden. Anlässe bieten z.B. konfessionelle Gedenktage (so im Jahr 2021: 500 Jahre Luther in Worms) oder ‚Forschungsergeb­nisse‘ zu kirchlicher Heimatkunde aus Geschichte, Kunst und Musik.

Nicht zuletzt sind in diesem Kontext die Besinnungstage zu nen­nen143. Sie können neben der vertieften Auseinandersetzung mit aktu­ellen Themen je nach Gestaltung das eigen-konfessionelle oder das gemeinsam-ökumenische Bewusstsein stärken.

Verbindungen zur Kirche

Schon im Verhältnis des konfessionell profilierten Unterrichts zu El­tern und Schule kamen seine Beziehungen zur Kirche in den Blick. Explizite Kontakte gibt es auf zwei Ebenen, wobei die Initiativen oft­mals von kirchlicher Seite ausgehen bzw. von ihr ausgehen sollten.

Überregionale Kontakte ergeben sich beim Besuch von Kirchentagen und dort, wo in den Landeskirchen diakonische Einrichtungen bereit sind, Schulgruppen Einblicke in ihre Arbeit zu geben144. Eine große Rolle spielen in diesem Kontext auch Postings und Webseiten bzw. Sites mit kirchlichem Bezug, die Jugendliche ansprechen.

Lokale Kontaktmöglichkeiten, also solche „zur vorfindlichen Ge­meinde“, gibt es „durch gemeinsame Angebote innerhalb der Schu­le145, durch Exkursionen in die Gemeinde146 oder durch die Unterstüt­zung von deren Angeboten“147. Auf diese Weise kann weit über die Schulzeit hinaus ein positives Verhältnis zur Ortsgemeinde entstehen.

Wertvolle Hilfen können Ortsgemeinde bzw. Dekanat bei der Durch­führung von Besinnungstagen geben, durch Räume, Geräte und finan­zielle Unterstützung, sowie durch Mitarbeitende. Sehr lohnend können – in Absprache mit der Schulleitung – gemeindliche Abendveranstal­tungen für das Schulkollegium zu Themen aus dem Bereich von Reli­gion oder zu Geschichte und Einrichtungen der Ortsgemeinde sein (z.B. Kirchenführung mit Orgelmusik und geselligem Zusammensein).

  1. Schlüsselposition der Lehrkräfte

Die Entwicklungen in Gesellschaft, Kirche und Schule beeinflussen nicht nur den Religionsunterricht. Sie wirken sich auch auf seine Lehrkräfte aus. Ja, es hat den Anschein, dass sie sich in deren Tätig­keit und Selbstbild geradezu bündeln. Daher wird im ‚Strategiepapier 2018‘ nicht nur auf John Hatties These „Teachers make a difference“ und auf die „Schlüsselstellung der Lehrkräfte“148 hingewiesen, son­dern auch darauf, dass an sie „hohe Anforderungen gestellt“ werden149.

Diese hohen Anforderungen bestehen zumal im Blick auf einen kon­fessionell profilierten Unterricht. Sie müssen deutlich stärker als bis­her in den Kirchen und in der Öffentlichkeit kommuniziert werden:

Die genannten Entwicklungen erfordern eine stärkere Vernetzung des so profilierten Unterrichtes. Dadurch weitet sich das Arbeitsfeld seiner Lehrkräfte aus. Zugleich führen seine zurückgehenden Schülerzahlen zunehmend zu Lerngruppenzusammenlegungen und damit oftmals zu einer ungünstigen Positionierung der Religionsstunden im Stunden­plan. Daneben kann der Religionsunterricht durch die unterschiedli­chen ‚Unterrichtsbiographien‘ der Schüler und Schülerinnen an seinen Tagen leiden und außerdem nicht selten durch negative gruppendyna­mische Probleme belastet werden.

Es kommt hinzu, dass für manche Eltern und ihre Kinder Religions­lehre im Fächerkanon nur einen geringen Stellenwert besitzt (indirekt bestätigt dadurch, dass sie in vielen Zeugnisformularen nicht mehr an erster Stelle steht). Ihre Lehrkräfte sind oft – wenn ohne Zweitfach – gegenüber anderen Fachlehrern ‚bloß Relilehrer‘, die zudem vor allem in Diasporagebieten häufig keinen festen Stand im Kollegium haben. Und während früher Religionslehrkräfte mitunter vom gesellschaftli­chen Ansehen kirchlicher Berufe profitierten, kann es zur Zeit gesche­hen, dass sie indirekt unter kirchlichen Skandalen zu leiden haben.

Bei all diesen Problemen darf aber nicht übergangen werden: Religi­onslehrkräfte sind gegenüber den Kollegen der anderen Fächer in ein­zigartiger Weise – darf man sagen? – ‚privilegiert‘, sofern in ihrem Unterricht stets auch ‚sua res agitur‘. Das heißt: Es geht für die Reli­gionslehrkräfte in ihrem Unterricht immer auch um ihre eigene Sache und damit nicht nur darum, im Rahmen ihrer schulischen Bildungsar­beit und als Beauftragte ihrer Kirchen aus deren Perspektive den Ju­gendlichen Kompetenzen zu vermitteln sowie Angebote zu Wirklich­keitsorientierung und Lebenshilfe zu machen. Der Unterricht ermög­licht den Lehrkräften und fordert sie zugleich heraus, sich im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern immer wieder auch mit Fragen ih­rer eigenen Existenz vor Gott und den Menschen auseinanderzusetzen.

Allerdings kann es dabei nicht nur zu einer Vertiefung des eigenen Glaubens kommen. Es kann – und wird zumeist – der Fall eintreten, dass Religionslehrkräfte im Lauf ihrer Berufstätigkeit in Glaubenskri­sen geraten und dann gegen eigene Überzeugungen unterrichten müs­sen. Es entsteht ein Konflikt zwischen Lehrauftrag, Authentizität und Glaubwürdigkeit, der auf die Jugendlichen ausstrahlen und bei diesen ein negatives Echo auslösen kann, erwarten diese doch in hohem Maß von ihren Lehrkräften, dass sie „gläubig“ sind150.

Das damit angesprochene Problem ist für den konfessionell profilier­ten Unterricht von großer Bedeutung. Zu seinen wesentlichen Zielen gehört, dass die Schülerinnen und Schüler zu ihrer Konfession mit all deren Stärken und Problemen eine positive Beziehung entwickeln. Dies lässt sich nicht erreichen, wenn man, Erich Wenigers Sorge um Überforderung der Lehrkräfte ernstnehmend, ihren Unterricht ‚nur‘ in „deiktischer Form“151 für angemessen hält, d.h. als ‚neutrale Vorfeldar­beit‘ für die eigentliche christliche Botschaft. Sie verlangt ein emotio­nales Engagement der Lehrkräfte. Hierzu wusste schon R.Kabisch: „»Gefühle lassen sich nicht unterrichten«! aber – sie stecken an!“ … Es ist eben eine ganz unstatthafte und abstrakte Auffassung des Begriffs Unterricht, wenn man diese ansteckende Wirkung außer acht läßt.“152

Die hohe emotionale Komponente des Religionsunterrichts bedeutet zunächst ein Warnzeichen: Nicht zuletzt in Verantwortung gegenüber den Eltern müssen die Lehrkräfte sorgsam darauf achten, den Jugend­lichen in ihren Gefühlen gegenüber Religion und Glauben nicht zu na­he zu treten und sie zu bedrängen; und das heißt im Kontext eines konfessionell profilierten Unterrichts: auch im Blick auf ihr Verhältnis zu ihrer Kirche. Nur wenige Schüler und Schülerinnen sind im Stande, ihre Lehrkraft explizit darauf hinzuweisen, wenn sie sich von ihr be­drängt fühlen. Es ist vielmehr zu befürchten, dass sie unbewusst Aver­sionen gegen den Religionsunterricht im Speziellen und ihre Konfes­sionsgemeinschaft im Allgemeinen entwickeln, im schlimmsten Fall, dass sie lebenslange seelische Verletzungen erleiden.

Eine entsprechende ‚Abstandsregel‘ gilt vor allem gegenüber Ju­gendlichen, die den konfessionellen Unterricht besuchen, ohne dessen Konfessionsgemeinschaft anzugehören. Es erfordert von den Lehr­kräften Taktgefühl und große Sensibilität, die spezielle Situation die­ser Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen, ohne sie innerhalb der Lerngruppe in irgendeiner Weise bloßzustellen.

Neben all dieser zu Vorsicht mahnenden Aspekte gilt aber auch, dass der Religionsunterricht durch seine emotionale Komponente in ge­meinsamem Erleben, Feiern, Beten die Schüler und Lehrkräfte in ganz eigener Weise verbinden kann. Und es ist kein Zufall, dass Erwachse­ne sich oft an ihre Religionslehrkräfte gut erinnern.

Außer dem emotionalen Engagement ist eine wichtige Voraussetzung konfessionell profilierten Unterrichts, dass seine Lehrkräfte in ihrer Konfession beheimatet sind. Dies kann ihnen jedoch ebenso wenig verordnet werden, wie den Schülern. Diese Beheimatung kann nur er­hofft werden. Und sie darf auch nicht als eindimensionale und fraglose Affirmation verstanden werden, im Gegenteil. ‚Heimat Kirche‘ ist kei­ne heile Welt! So ist zu wünschen, dass die Verbundenheit mit ihr in einem ausgewogenen Verhältnis von engagierter Nähe und kritischer Distanz besteht. Dadurch vermeiden die Lehrkräfte nicht nur berufs­bedingte Routine. Sie eröffnen zugleich ihren Schülern die Möglich­keit zu eigenen kritischen Anfragen und zweifelndem Widerspruch ‚gegen die Kirche und ihren Glauben‘. Gerade dadurch, dass Lehr­kräfte spüren lassen, dass sie in Glaubensfragen selber auf dem Weg und Suchende sind, helfen sie den Heranwachsenden, ein positives Verhältnis zu ihrer Konfessionsgemeinschaft zu gewinnen.

Beheimatung in ihrer Kirche – dies gilt besonders für Religionslehr­kräfte in der Diaspora, die nicht nur an vielen Schulen auf sich gestellt und ‚heimatlos‘ sind, sondern oft auch das außerschulische Umfeld als kirchenfremd erleben. Hier sind die Ausbildungs- und Fortbildungs­stätten gefordert. Sie müssen in weit stärkerem Maß als bisher das ‚Leben und Arbeiten in der Minderheitssituation‘ sowie das ‚mutuum colloquium et consolatio‘ (M.Luther) in ihre Aktivitäten einbeziehen.

Trotz aller beruflichen Belastungen versuchen viele Lehrkräfte einen Kontakt zur zuständigen kirchlichen Ortsgemeinde herzustellen bzw. zu halten. Gleiches gilt umgekehrt. Dennoch sollten sich die Verant­wortlichen in den Ortsgemeinden immer wieder fragen, ob die Verbin­dung nicht noch verbessert werden kann. Um einige Möglichkeiten zu nennen: Einbezug der Lehrkräfte in den gemeindlichen Informations-Verteiler, Einladungen zu Gemeindeveranstaltungen, zu Kirchenvor­standssitzungen – eventuell auch mit der Bitte um Sicht auf die Orts­gemeinde aus der Schul-Perspektive –, Treffen ohne feste Tagesord­nung mit Verantwortlichen der Kirchengemeinde, Veranstaltungen mit Referaten/Vorträgen aus Interessen- oder Sachgebieten der Lehrkräfte.

In überregionaler Hinsicht ist sich die Evang.-Luth.Kirche in Bayern nicht erst seit ihrer Synode 2019 bewusst, wie wichtig es ist, die Reli­gionslehrkräfte darin zu bestärken, in ihrer Kirche beheimatet zu sein. Hierzu dient im Blick auf den Schulbereich nicht nur für die Eltern- und Schülerschaft, sondern auch für die Lehrkräfte, dass die Kirche ein klares und zukunftsweisendes konfessionelles Profil besitzt und fortentwickelt. Erhofftes Ziel ist, dass nicht nur Eltern und Schüler, sondern auch die Religionslehrkräfte sagen, ‚Das ist meine Kirche‘.

Abstract und Rückblick auf die Eingangsfragen

Zu Beginn dieser Untersuchung wurden Fragen zur Zukunft konfessi­oneller Erziehung gestellt. Nun soll anhand von zehn Leitsätzen der Verlauf der Untersuchung nachgezeichnet und eine knappe Antwort auf die Fragen gegeben werden.

  1. Die Zukunft der konfessionellen Erziehung hängt in hohem Maß ab von den Veränderungen in der christlichen Bevölkerung, in den Kir­chen und in der Gesellschaft im Allgemeinen.
  2. Die Gesellschaft wird geprägt von vier sich teils überlagernden, teils einander widerstrebenden Tendenzen: Globalisierung, Subjekti­vierung, Pluralisierung und Singularisierung. In ihrem Gefolge ent­steht eine gesellschaftliche Granularisierung.
  3. Einerseits kommt es zu einer weitgehenden Auflösung der her­kömmlichen konfessionellen Milieus und kirchlichen Bindungen, an­dererseits entsteht in der Bevölkerung ein Gefühl der Unbehaustheit und eine Suche nach Orientierung gebenden Gemeinschaften.
  4. Die Kirchen können auf neue Weise Bedeutung erlangen: Wenn es ihnen gelingt, Fehlentwicklungen und Versäumnisse zu beheben, ihr je besonderes gemeinschaftsbildendes Potential zu stärken und hierbei die zurückgehenden Mitgliedszahlen als Chance zu nutzen, dann kön­nen sie zu wichtigen Stützen einer verunsicherten Gesellschaft wer­den. Sie können in dialogisch-dialektischer Ökumene mit ihrer welt­weiten und zugleich örtlichen Präsenz sozialen Zusammenhalt bieten und darüber hinaus geistliche Beheimatung geben.
  5. Beheimatung in den Kirchen hat zwei Voraussetzungen. Die eine: Sie braucht konfessionelle Symbole – nicht zum Zweck der Gegner­schaft und Trennung, sondern als Zeichen der Zugehörigkeit. Die an­dere: Beheimatung setzt konkrete Gemeinschaftserfahrungen voraus.
  6. Die Wurzeln für Beheimatung liegen vor allem in Kindheit und Ju­gend. Damit erhält der Religionsunterricht in konfessioneller Prägung entscheidende Bedeutung für eine Verbundenheit mit seiner Kirche.
  7. Der Religionsunterricht hat im Blick auf konfessionelle Beheima­tung drei wichtige Funktionen. Er ist ein Ort der Begegnung mit Le­bensformen und Mitgliedern der eigenen Konfession. Er macht mög­lich, konfessionelle Gemeinschaft konkret zu erleben und zu erfahren. Er gewährt Raum für reflexive Erörterung und Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart der eigenen Glaubensgemeinschaft im Kontext mit anderen Konfessionen und Religionen.
  8. Der Unterricht in konfessioneller Prägung mit phasenweise ökume­nischer Öffnung ist das angemessenste Organisationsmodell. Ist es aus schulischen oder demographischen Gründen nicht realisierbar, sollten im Sinn ‚dialogisch-dialektischer Ökumene‘ konfessionsübergreifende Modelle immer wieder Möglichkeiten bieten, in denen konfessionsho­mogene Gemeinschaft konkret erlebbar wird.
  9. Der Unterricht in konfessioneller Prägung muss dreifach vernetzt sein: mit anderen Schulfächern und im Schulleben allgemein, mit der Elternschaft durch persönliche Kontakte und Veranstaltungen, sowie mit den örtlichen Kirchengemeinden und ihren Repräsentanten.
  10. Bei der Vermittlung von Verbundenheit der Jugendlichen mit ‚ih­rer‘ Kirche hat das Verhältnis der Religionslehrkräfte zu ihrer Kirche eine Schlüsselfunktion. –

Konfessionalität in traditioneller Form ist am Ende. Mit neuen Vorzei­chen und neuer Ausrichtung kann sie und ein entsprechend profilier­ter Unterricht den jungen Menschen wie der Gesellschaft von morgen einen Dienst erweisen und zugleich zur Zukunft des Christentums bei­tragen.

Superintendentin P.Bahr: „Ihr müsst nicht alles glauben“. Aber: „Ei­ne Konfession zu haben“ – das ist „das Gefühl, zu Hause zu sein“153.P.Bahr: Ihr müsst nicht alles glauben. Christ&Welt 22/23.5.2019, S.1.

1Petra Bahr: Traurig, aber treu. Christ&Welt 6/31.1.2013, S.5.

2Ironisierend: „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“; kämpferisch: „Neuer Atheismus“, Umfeld der Giordano-Bruno-Stiftung. Ferner u.a.: Peter Sloterdijk (ders.: Nach Gott. Suhrkamp Berlin 2017), K.-H.Deschner, J.Kahl, Herbert Schnädelbach.

3Gert Pickel: Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Religionspolitik. Das Parlament. Beilage 68.Jg., 28-29/2018, 9.7. 2018, S.22-27, S.22.

4Leserbrief FAZ 107/11.5.2018.

5G.Pickel, Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung, S.23: Man kann „kaum von Säkularität im Sinne einer Absenz von Religion“ sprechen.“ Ebd. S.25: Es zeigt sich, dass sie „als Thema in die öffentliche Auseinandersetzung zurückgekehrt ist.“ – Thomas Petersen: Der lange Abschied vom Christentum. FAZ 295/20.12.2017, S.10: Laut Allensbach-Umfrage im Dezember 2017 sagt trotz „lange(m) Abschied vom Christentum“ eine klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung, dass „Deutschland ein christliches Land sei und dies auch in der Öffentlichkeit deutlich zeigen solle“ (56 vs. 28%). Th.Petersen ergänzt: „Der christliche Glaube erodiert, doch das Gefühl der Zugehörigkeit zur christlichen Kulturtradition ist nach wie vor stark“, ja scheint zuzu­nehmen. Die starke christliche Prägung Deutschlands bejahten 2012 48%, 2017 63%.

6G.Pickel, Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung, S.22. Hierzu: Hen­riette Kühne (verantwortlich): Öffentliche Wahrnehmung des Religionsunterrichts (RU) im Kontext religiöser Pluralität. In: Religionsunterricht 2026. Strategiepapier Ju­li 2018. https://landessynode.bayern-evangelisch.de/downloads/ELKB, S.5-10, S.5.

7So die Religionsphilologie-Studentin Lola Buschhoff in Chrismon Spezial zum 31.10.2018, S.8. Zum Islam entsprechend auch Papst Franziskus 2019 in Abu Dhabi.

8Der ursprünglich iranische Bahai-Glaube versteht sich (ab Mitte des 19.Jhts.) als überhöhende Erfüllung aller früheren Offenbarungen und Religionen.

9Vgl. u.a. Andreas Öhler: Eine Stadt probt die Versöhnung. In Marburg macht der Religionsfriede Schule. Christ&Welt 20/9.5.2018, S.6. Ebd.: Radikale Moslems wer­fen dem christlichen Westen vor, „seine Kreuzfahrermentalität nie abgelegt zu haben. Radikale Christen und Juden halten ihre Überzeugung für die einzig selig machende.“ Für den Marburger Religionslehrer Holger Speier war das der Anlass, „die Friedens­ressourcen der verschiedenen Religionen auszuloten“. 2015/2016 führten seine Schü­lerinnen und Schüler „Interviews mit Christen, Muslimen und Juden, mit Hinduisten und Buddhisten. Selbst Anhänger des Daoismus, Shintoismus und Bahaiismus“ be­fragten sie und brachten „ihre eigenen Einschätzungen über die Friedenspotentiale der verschiedenen Glaubensrichtungen zu Papier.“ H.Speier publizierte die besten Beiträ­ge unter dem Titel „Gott heißt Versöhnung“. Die Veröffentlichung war „ein bedeu­tender Schritt der Annäherung zwischen den in Marburg agierenden Religionsgemein­schaften“, sofern Lutheraner und Katholiken, Muslime, Juden, Buddhisten und Evan­gelikale „das Buchprojekt finanziell sponserten.“ – Vor dem Hintergrund der Relativierung nicht unproblematisch haben Tin Fischer und August Modersohn einen „nicht ganz ernst gemeinten Vergleich“ angestellt: Welche Religion passt zu mir? Christ&Welt 2/3.1.2019, S.4f., vgl. S.1.

10Hierzu: H.Kühne, Öffentliche Wahrnehmung des Religionsunterrichts (RU) im Kontext religiöser Pluralität, S.6.

11J.-F.Lyotard: Das postmoderne Wissen (1979), dt. Impuls&Association. Bremen 1982 u.ö.

12Joachim Kunstmann: Subjektorientierte Religionspädagogik. Plädoyer für eine zeitgemäße religiöse Bildung. Calwer Stuttgart 2018, S.49.

13Riem Spielhaus/Zrinka Štimac: Schulischer Religionsunterricht im Kontext re­ligiöser und weltanschaulicher Pluralität. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Religi­onspolitik. Das Parlament. Beilage 68.Jg, 28-29/2018, 9.7.2018, S.41-46, S.41.

14J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.60 bzw. 49.

15J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.57; zum Ganzen: S. 43ff. Maßstab sind hierfür Entscheidungssituationen, Sinnfragen und Sehnsüchte.

16G.Pickel, Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung, S.25.

17Jurij M.Lotman: Die Innenwelt des Denkens – Eine semiotische Theorie der Kultur. Suhrkamp stw 1944, 1.Aufl. 2010, Berlin, S.163ff: „8.Der semiotische Raum“. Zu Rahmung: Dirk Baecker: Der Geist wirkt, wo er will. FAZ 277/28.11.2018, S.N4. – Vgl. Armin Nassehi: Die Wiedergewinnung des Politischen. Konrad-Adenauer-Stif­tung St.Augustin/Berlin 2016, S.77: „Eine solche Kultur der Symmetrisierung“ lässt praktisch keine religiöse Verbindlichkeiten zu. Maßgebend sind persönliche „konkre­te(n) Betroffenheiten“, wobei andere Vorschriften für Andere konzediert werden.

18G.Pickel, Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung, S.24.

19J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.27. Ulrich Greiner: Die Lust, an allem schuld zu sein. DIE ZEIT 43/18.10.2018, S.52: „Schuld und Sühne, Sünde und Erlösung, Rechtfertigung und Verzeihung – diese christlichen Kategorien bestimmen“ dann das Denken „noch immer“. Doch wie man einst „seinem Gewissen gegenüber verantwortlich war und auf Gottes Gnade hoffte“, so weiß man sich nun „einem Weltgewissen gegenüber verantwortlich, das keine Gnade kennt“.

20G.Pickel, Säkularisierung, Pluralisierung, Individualisierung, S.25.

21J.Bernhard (TUM School of Education): Zusammen geht es leichter. IdeaSpek­trum 27/4.7.2018, S.20-22, S.22.

22Thomas Kerstan: Wir brauchen einen neuen Kanon. DIE ZEIT 34/16.8.2018, S.55: Derzeit „laufen den Großorganisationen, den Kirchen, Vereinen und Gewerk­schaften … die Mitglieder davon.“ Vgl.Frank-Walter Steinmeier am Verfassungstag 24.5.2018, zit. In: Reinhard Müller: Mit Özil und Gündogan. FAZ 119/25.5.2918, S.8: „Wir erleben …, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich zwar mit großer Leiden­schaft in der Zivilgesellschaft engagieren, aber kein Interesse daran haben, sich in politische Parteien und demokratische Institutionen einzubringen.“

23Joachim Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.49.

24br.de/nachrichten/kultur/zukunftsprognose-kirche-verliert-haelfte-ihrer-mitglie­der

25Profil und Konzentration. https://landessynode,bayern-evangelisch.de/down loads/2018-11-27_LS_Garmisch_ZwischenBericht_PuK.pdf., S.4.

26Peter Scherle (Direktor des Theol.Seminars Herborn): Werte liefern, das können auch andere. FAZ 263/12.11.2018, S.13; vgl. Profil und Konzentration, S.2, 6.

27So die Landesbischöfin der Evang. Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, vgl. Reinhard Bingener: Liberal-Lutherisch. FAZ 229/2.10.2018, S.10.

28Die Situation in den orthodoxen Kirchen, deren Bedeutung in Deutschland zu­nimmt, verlangt eine eigene Untersuchung.

29Friedrich D.Schleiermachers Zitat bei Kurt Nowak: Schleiermacher: Leben, Werk und Wirkung. Vandenhoeck Göttingen (2001), 2002, S.271.

30U.a. verweist Bischof Gerhard Feige (https://www.ksta.De/30577648©2018) auf „die katholischen Prinzipien des Ökumenismus mit ihrem inklusivistischen Kir­chenverständnis und der Überzeugung von einer gestuften Kirchenzugehörigkeit“.

31Zeugnisse dafür sind das Konzildokument Nostra aetate vom 26.10.1965, das Erste Weltreligionsgebet am 27.10.1986 in Assisi, sowie die Begegnungen von Papst Franziskus mit hochrangigen Vertretern verschiedener Weltreligionen.

32Wim Wenders in: Evelyn Finger: „Das Kino darf alles. Sogar predigen!“ DIE ZEIT 23/30.5.2018, S.50; bzw.: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gemein­same_Erkl%C3%A4rung_vom_4._Februar_2019_in_Abu_Dhabi.

33Papst Franziskus (gegen den Katholischen Katechismus) zu einem Miss­brauchsopfer: „»Juan Carlos, dass du schwul bist, spielt keine Rolle. Gott … will, dass du so bist. Auch der Papst will, dass du so bist, und du solltest darüber glücklich sein«“ (Matthias Rüb: Verspätete Glaubwürdigkeit. FAZ 118/24.5.2016, S.6). Ande­rerseits wurde der Rektor der Kath.Hochschule St.Georgen/Frankfurt wegen Vertei­digung der Homosexualität im Blick auf Fortführung des Rektorats zunächst „sank­tioniert“ (Sarah Schaschek: Der Vatikan liest mit. DIE ZEIT 1/27.12.2018, S.65).

34Erst schien der Papst dem Plan der Deutschen Bischofskonferenz vom Februar 2018 zuzustimmen, wonach „alle, die in einer konfessionsverschiedenen Ehe nach einer reiflichen Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer mit der Seelsorge beauftragten Person zu dem Gewissensurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine »schwere geistliche Notlage« beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen, zum Tisch des Herren hinzutreten dürfen“. Doch wurde am 25.5.2018 in einem vom Papst autorisierten Schreiben dem Plan die Zustimmung verweigert: Die Frage sei von weltkirchlicher Bedeutung, ihre Auswirkungen auf andere Kirchen bzw. kirchliche Gemeinschaften zu bedenken, und die Auslegung der entsprechenden Kirchenrechtsbestimmung Sache des Vatikans. (Daniel Deckers: Der Papst bremst. FAZ 127/5.6.2018, S.5) Zugleich hat damit der Vatikan „entschieden, … nicht zu entscheiden, jedenfalls im Augenblick nicht“. (Christian Geyer: Gar nichts ist entschieden. FAZ 128/6.6.18, S.9)

35Zum Besuch des Papstes beim Ökumenischen Rat der Kirchen am 21.6.2018: M.Rüb: Papst ruft christliche Kirchen zur Einheit auf. FAZ 142/22.6.18, S.5: Franzis­kus galt „als Förderer der Ökumene. Er traf sich mit … Kirchenführern anderer Religi­onen [!] und Konfessionen und feierte 2016 … mit Lutheranern einen Gottesdienst in Schweden“. Er hat die Annäherung „jüngst jedoch gebremst, indem er sich gegen die geplante Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz“ wandte. – Doch Heinrich Bedford-Strohm nach dem Besuch: „Der »Abgesang«“ Mancher „»auf den ökume­nischen Fortschritt«“ war „voreilig.“ (M.Rüb: Gut gemacht. FAZ 143/23.6.2018, S.8)

36Hubert Wolf: Seid doch nicht so streng! Christ&Welt 28/5.7.2018, S.5. – Dazu Chr.Geyer: S.O.S. Einzelfall. FAZ 94/23.4.2018, S.9: Dem Papst geht es darum, „die Kirche vom kreativen Einzelfall her neu zu denken.“ Insofern ist seine „Linie glas­klar:“ Er „will nichts erlauben oder verbieten müssen, was in eine Schriftform ober­halb des Fußnotenniveaus gerinnen könnte“ und „setzt auf Mündlichkeit und Winke“, um „die Bedeutung von Lehre und Recht herabzustufen.“ So will er auch die Euchari­stieregelung „eher kolloquial angehen“. – Vgl. ders.: Abgesegnet. FAZ 144/25.6. 2018, S.9: Der Papst bleibt seiner … Agenda treu: Ein Ja ist immer auch ein Nein, ein Nein auch ein Ja.“ Ferner: Helmut Hoping: Gezeichnet „F.“ – Chiffre der Vieldeutig­keit. FAZ 150/2.7.2018, S.11; Fabian Klask: Frieden hinter Gardinen? Christ&Welt 27/28.6.2018, S.2: „Das Problem: Keiner weiß, was der Papst genau will“ (Untertitel).

37Chr.Geyer, S.O.S. Einzelfall, S.9: „Der historische Versuch, ein globales Regel­system auf »Einzelfälle« zu gründen, wie ihn Papst Franziskus unternimmt, lässt die katholische Kirche zu einer Großbaustelle werden. Kein Stein bleibt auf dem anderen, alles steht unter Revisionsvorbehalt, wenn theologische Überlieferungen den »Zeit­geist von gestern« (Diethmar Mieth) verkörpern.“ So ist „zentral die Sprachfähigkeit der Kirche in Frage gestellt. Deren Autoritäten können im Ernst nicht fortfahren, auf die universalen Gehalte ihrer Lehren zu pochen, wenn doch am Ende die Psychologie des Einzelfalls den normativen Ausschlag geben soll.“ So „agiert der Papst vollkom­men folgerichtig, wenn es ihm um die Vermeidung von Lehraussagen geht. Er richtet das römische Lehramt auf ein philosophisches Schweigen … aus, um einer »kreativen Unordnung der Einzelfälle« (Wolfhard von Boeselager) … Raum zu geben.“

38Chr.Geyer: Lieber ein bisschen faseln? FAZ 123/30.5.2018, S.11.

39D.Deckers: Ein Mann seines Wortes? FAZ 131/9.6.2018, S.1.

40F.J.Overbeck: »Parrhesia« – Worüber es sich in Kirche und Gesellschaft zu streiten lohnt. Vortrag in der Katholischen Akademie Berlin am 9.11.2016. www.ka tholische-militaerseelsorge.de/fileadmin/kunde/Reden_und_Predigten/MB_Overbeck/ 20161109_Parrhesia_MB_Kath_Akademie.pdf, gedr. in Herder Korrespondenz 2018. Entsprechend Michael Seewald: Die „Kirche ist nur deshalb die, die sie heute ist, weil sie – im Sinn einer „instabile(n) Gleichzeitigkeit“ – Kontinuität und Diskontinuität zu verbinden wusste“ (Ders.: Dogma im Wandel. Herder Freiburg 2018, S.20, der Ein­schub: S.19; Weiteres S.17ff.). – Protestantischerseits fordert Peter Dabrock „Ambigu­itätssensibilität“ (Ders.: Suchet der Stadt Bestes. FAZ 299/24.12.2018, S.6).

41Vgl. K.Barth: Die Kirchliche Dogmatik, Bd 1/2, Kaiser München 1938, S.356.

42Www.evangelisch.de/inhalte/125809/13-10-2015: Die Rheinische Kirche ist „strikt gegen die gezielte Bekehrung von Muslimen zum christlichen Glauben … »Eine strategische Islammission oder eine Begegnung von Muslimen in Konversions­absicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden«, heißt es in der Arbeitshilfe »Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen«“. Dies „widerspreche dem Geist und Auftrag Jesu Christi und sei »entschieden abzulehnen«“.

43U.a. www.ekiba.de/html/aktuell: Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) zum Ramadan 2018: „Wir wünschen … Gottes Segen“ und Stärkung des Glaubens „im Fa­milienkreis und in der Moscheegemeinde“. H.Bedford-Strohm (EKD) wünscht zu Ra­madan 2019 „gesegnete Begegnungen“ und spricht vom je eigenen „gemeinsame(n) Bekenntnis zum einen Gott“ (www.ekd.de/grusswort-fastenmonat-ramadan-2019).

44IdeaSpektrum 21/24.5.2018, S.32.

45Evangelisch. Mitgliederzeitung der Evang.-Luth.Kirche in der Region Mün­chen, 2018, S.8: Das Gemeinsame sichtbar machen. Seit 2015 trifft sich der „Rat der Religionen“ [Christen, Juden, Muslime, Aleviten, Buddhisten, Bahai] zum Friedens­gebet in der Innenstadt. – Vgl. Internationales Friedensgebet auf der „altonale“ (1.-17.6.2018 in Hamburg). IdeaSpektrum 23/6.6.2018, S.28: Meister [Landesbischof in Hannover] will mehr Kooperation mit anderen Religionen. „Beispielhaft nannte“ er „multireligiöse Gebete und gemeinsame Feiern.“

46J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.32.

47So u.a. zum Sport: „Hochrangige Vertreter der Kirchen in Deutschland kriti­sieren den Internationalen Fußballverband (Fifa) für die Auswahl der Gastgeberländer für Weltmeisterschaften.“ (FAZ 135/14.6.2018, S.27).

48So als Resümee im Leserbrief von U. u .G.Klasche in Chrismon 6/2018, S.45: „Aufgabe der Religionen“. Ebd.: „… ganz generell Menschen in Not zu helfen.“

49Dazu: Christian Albrecht/Reiner Anselm: Öffentlicher Protestantismus. Theolo­gische Studien N.F.4. TVZ Zürich 2017. Aufgenommen wird der Ansatz der Öffentli­chen Theologie von Manfred Pirner: Religionsunterricht zwischen politischer Absti­nenz und Funktionalisierung. Perspektiven einer Öffentlichen Religionspädagogik. Www.rpz-heilsbronn.de/Dateien/Arbeitsbereiche/GPM/GELB/2018/03_Pirner.pdf

50Leserbrief Prof.Dr.Rudolf Hoberg (Berlin): Interkommunion? FAZ 125/2.6. 2018, S.24: „Es gibt … unterschiedliche Abendmahlsauffassungen“ und „immer mehr Christen“ halten „außer der eigenen auch andere Auffassungen für vertretbar.“

51Vgl. J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.14.

52H.Bedford-Strohm in: „Diesen Schwung wollen wir mitnehmen“, Gespräch mit D.Decker, FAZ 129/7.6.2018, S.4; etwa in der Frage der Eucharistiezulassung.

53P.Bahr: Gotteslob. Christ&Welt 39/20.9.2018, S.6.

54Christina Rietz: Wenn Gott sich aufmacht. Fronleichnam ist das katholischste der Feste – und gerade deshalb eine Einladung an alle, mitzufeiern. Christ&Welt 23/ 30.5.2018, S.1; ebd.: „Historisch … ist Fronleichnam ein Abgrenzungsfest.“ Das für „Gegenreformation notorische Konzil von Trient (1545-1563) fixierte“ die katholi­sche Transsubstantiationslehre, wonach „»im segensreichen Sakrament der heiligen Eucharistie nach der Konsekration von Brot und Wein unser Herr Jesus Christus …wahrhaft, wirklich und substanzhaft unter der Gestalt jener sinnlichen Dinge enthalten ist.« Wer … etwas anderes behauptete, »Der sei ausgeschlossen« (lat.: anathema sit).“

55Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre v. 31.10.1999. Hierzu: www. augsburg-evangelisch.de/gemeinsame-erklaerung-zur-rechtfertigungslehre. Zur Kritik an der GER u.a..: https://www.reformation-wuerttemberg.de/…reformation/Ist_so_ Versoehnung_-

56Vgl. auch Otfried Hoffe: Gibt es christliche Politik – und wenn ja, warum und wie viel? FAZ 89/13.4.2019, S.6. — Bis ins 16.Jahrhundert stand für ‚Konfession‘ der Begriff ‚Religion‘, so als „Augsburger Religionsfrieden“ von 1555. Unter ‚Confessio‘ verstand man ein persönliches Bekenntnis (Beichte), vgl. Augustins Confessiones.

57Bernd Ulrich: Wie radikal ist realistisch? DIE ZEIT 25/14.6.2018, S.2f., S.3.

58Vgl. A.Nassehi, Die Wiedergewinnung des Politischen, S.76: Es existiert „ein genereller Trend der gegenwärtigen Kultur“ zu „»Symmetrisierung« [Irmhild Saake], d.h. Unterschiede einzuebnen“.

59Ausführlich zur ganzen Thematik: P.Dabrock, suchet der Stadt Bestes, S.6.

60H.Münkler: Der Abschied vom amerikanischen Zeitalter. DIE ZEIT 25/14.6. 2018, S.41. – Gregor Schöllgen: Abendland? Ist abgebrannt. FAZ 137/16.6.2018, S.11.

61Chr.Guilluy: No society: la fin de la classe moyenne occidentale. Flammarion 2018. Vgl. Jürg Altwegg: Verdammte der Globalisierung. FAZ 276/27.11.2018, S.13; Deutsche Bischofskonferenz/Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Vertrauen in die Demokratie stärken, 2019, www.ekd.de/ds_doc/gemeinsame_texte_ 26

62Thema 52.Deutscher Historikertag 2018 in Münster. Peter Graf Kielmannsegg, Über Migration reden, FAZ 29/4.2.2019, S.6, spricht vom „dichotomischen Verdikt“, das keine Position bzw. „Sprache der Mitte“ zulässt. So auch Greta Thunberg.

63P.Dabrock, Suchet der Stadt Bestes, S.6.

64 Günther Nonnenmacher: Was damals eigentlich geschah, FAZ 134/13.6.2018, S.10, über A.Nassehi: „Gab es 1968?“. Kursbuch Hamburg 2018, Schlusskapitel.

65Erstes Zitat: Joachim Gauck: Wenn es den Einheimischen zu bunt wird. DIE ZEIT 25/13.6.2019, S.7 (unter Berufung auf Ralf Dahrendorf). Zweites Zitat: Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten, Suhrkamp Berlin 2017, S.63; vgl. 57ff. Hierzu: B.Ulrich, Wie radikal ist realistisch, S.2: Angela Merkels Satz „Das Land ist gespalten“ ist „keine Untertreibung mehr, es ist eine Beschönigung.“

66A.Nassehi: „Einstieg“, in: „Gab es 1968?“

67G.Schöllgen, Abendland? Ist abgebrannt, S.11.

68Profil und Konzentration, S.2. Eckart Lohse: Steinmeier: Vernunft hat gerade nicht Konjunktur. FAZ 55/6.3.2019, S.2: Man will „Rückzug in vertraute Bezugs­räume, Rückbesinnung auf Nation, Ethnie, Religion oder Region. »Ein Gefühl von Heimat … ist lebenswichtig«“ (zit. Rede F.-W.Steinmeiers v. 5.3.2019). Rudi Novot­ny: Die sonderbare Gelassenheit der Deutschen. DIE ZEIT 20/9.5.2019, S.69: Im Jahr 2018 ist für 89 Prozent der Deutschen Heimat wichtig.

69Zur katholischen Seite s. Anm.33ff., speziell D.Deckers, Der Papst bremst, S.5; zur evangelischen Seite: R.Bingener: Mein digitaler Pfarrer. FAZ 263/12.11.2018, S.2: H.Bedford-Strohm ließ am 11.11.2018 auf der EKD-Synode in Würzburg „keinen Zweifel daran, dass er die evangelische Kirche in der Missbrauchsfrage nicht auf eine Stufe mit der katholischen Kirche gestellt sehen möchte.“

70„In der Kirche herrscht ein Bürgerkrieg“. Marco Politi im Gespräch mit Chris­tina Rietz. Christ&Welt 25/14.6.2018, S.2. Vgl. oben S.8ff. – Der Ökumene-Bischof G.Feige (Magdeburg) schrieb zur Eucharistiezulassung von Protestanten Juni 2018 als „Nachruf“: „Völlig unverständlich ist mir, wie es am 3.Mai 2018 aus Rom noch hei­ßen konnte, die deutschen Bischöfe sollen in der Kommunionfrage für evangelische Christen aus konfessionsverbindenden Ehen »eine möglichst einmütige Regelung« fin­den, und dieser Auftrag jetzt – einen Monat später – offensichtlich durch Papst Fran­ziskus selbst wieder rückgängig gemacht wurde. Die Enttäuschung ist bei vielen groß, der Schaden noch nicht abzusehen…..“.(www. ksta.de›Politik).– Februar 2019 brach eine ‚konservativ-progressive‘ Kontroverse zwischen den Kardinälen Gerhard Müller und Walter Kasper auf, die rasch Kreise zog: https://de.catholicnewsagency.Com/sto ry/kardinal-muller-veröffentlicht-glaubensmanifest;www.kath.news/66911

71E.Finger u.a.: Schuld und Sühne. DIE ZEIT 9/21.2.2019, S.48.

72A.Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten, S.17. So auch P.Dabrock, Su­chet der Stadt Bestes, S.6.

73W.Streeck: Ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger. DIE ZEIT 26/21.6.2018, S.40.

74Timo Frasch: Der neue Janker. FAZ 242/18.10.2018, S.1.

75Christof Grimm: Verfassungskultur. FAZ 166/20.7.2017, S.8

76Ali E.Toprak (Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenver­bände in Deutschland): Was wir nicht sagen durften. DIE ZEIT 28/5.7. 2018, S.54.

77A.Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten, S.63; A.Reckwitz spricht von „selbstgewählten religiösen Kollektiven“. Zum Ganzen vgl. ebd. S.57ff.

78R.Novotny, Die sonderbare Gelassenheit der Deutschen, S.69. Näheres hierzu bei Jacob Steinwede: Verbindend, nicht trennend. DIE ZEIT 21/16.5. 2019, S.66: So für 18% der Befragten, ausdrücklich keine Rolle spielt gemeinsame Religion für 47%!

79Fabian Klaks: Die sind dann mal weg. Christ&Welt 9/21.2.2019, S.3: In den zehn größten deutschen Städten gab es 2018 „etwa 17 Prozent mehr Austritte aus der evangelischen und katholischen Kirche als 2017“. Dabei zeigte sich, was „schon bei früheren Skandalen zu beobachten“ war: „Bebt die katholische Welt, treten auch mehr Leute aus der evangelischen Kirche aus.“

80Www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/umfrage-vertrauen-zum-papst-ist-am-stärksten-zuruckgegangen zu: RTL/n-tv-Trendbarometer v.7.1.2019. Darin fol­gende Vertrauenswerte: Evangelische Kirche 38 % (Rang 13), Papst (minus 20 Punk­te) und Zentralrat der Juden: 34 % (Rang 15/16), katholische Kirche: 18 % (Rang 20).

81F.Klaks, Die sind dann mal weg, S.3.

82Hierzu: https://de.wikipedia.org/wiki/Framing_(Kommunikationswissenschaft)

83Thomas Thiel: C-Frage. FAZ 55/6.3.2019, S.N4 über ZDF Heute show v. 22.2. 2019: „Christentum heiße sexuelle Gewalt, Homophobie und Frauenfeindlichkeit.“

84Jürgen Kaube: Haben wir was in Reli auf? FAZ 6/8.1.2019, S.9.

85Andere Sicht bei M.Pirner, Religionsunterricht zwischen politischer Abstinenz und Funktionalisierung, S.53 – aber auch von Papst Franziskus, s.o. Anm. 32!

86Ingolf U.Dalferth: God first. Die reformatorische Revolution der christlichen Denkungsart. EVA Leipzig 2018, S.34f., 191f.; vgl. Matthäus 28,20.

87Zur Formulierung „dialogisch-dialektisch“: Wilhelm Sturm: Religionspädago­gische Konzeptionen, in: G.Adam/R.Lachmann (Hg.): Religionspädagogisches Kom­pendium. Vandenhoeck Göttingen 5.Aufl. 1997, S.37-86, S.84f.

88Das Nicaenische bzw. Nicaeno-Constatinopolitanische Bekenntnis (von 325/ 381) betont die volle Gottheit Jesu Christi gegen die Lehre, Jesus sei nur ein Ge­schöpf. Ferner zählen u.a. dazu das Apostolische Glaubensbekenntnis (von 390) und das Bekenntnis von Chalzedon (451: Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott).

89Jan Assmann: Exodus. Die Revolution der Alten Welt. 3.Aufl. Beck München 2015, S.15. Dort ausführliche Darstellung und Begründung der These.

90Zu den Bekenntnissen bzw. Lehren des Protestantismus: Confessio Augustana (1530) bzw. Heidelberger Katechismus (1563), Sakramente sind nur Abendmahl und Taufe. Die Katholische Kirche (mit dem in Lehrfragen unfehlbaren Papst als Stellver­treter Christi an der Spitze) weiß sich als einzige Kirche im Vollsinn und als Grundsa­krament. Sie hat als ergänzende Sakramente Firmung, Ehe, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe (nur für Männer). Wichtige katholische Lehren sind u.a. die Unterschei­dung zwischen dem geweihten Klerus und den Laien, ferner die leibliche Himmelfahrt Marias, sowie der Ablass zeitlicher Sündenstrafen und das Fegfeuer.

91Angelika Epple: Horst Seehofer kriegt im Raum die Kurve. FAZ 229/2.10. 2018, S.N3; ebd: Soziale, nicht nationale Räume schaffen Heimat (Henri Lefebvre).

92Jutta Allmendinger/Jan Wetzel: Die Vertrauensfrage. DIE ZEIT 22/23.5.2019, S.66: Für ca. 80 Prozent der Deutschen ist „sehr wichtig, ein »Wir-Gefühl« zu haben.“

93M.Pirner, Religionsunterricht zwischen politischer Abstinenz und Funktionali­sierung, S.53.

94A.Nassehi, Die Wiedergewinnung des Politischen, S.40. – Im Umkehrschluss: Je mehr die Kirchen ihre Profile angleichen, umso weniger Identitätsmöglichkeiten bieten sie, sich in ihren Liedern, Liturgien, Bräuchen und Texten beheimatet zu wis­sen, ‚zu Hause‘ zu sein; vgl. W.Streeck, Ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger, S.40.

95Zu dieser Doppelstruktur der Kirchen: P.Dabrock, Suchet der Stadt Bestes, S.6.

96Prof.Wolfgang Frühwald, ehem. Präsident der DFG, auf einem Symposion am 24.10.2008 in Augsburg, Heinrich Heine zitierend (ders.: Geständnisse 1854, Kap.7).

97W.Streeck, Ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger, S.40.

98Zu dieser Formulierung vgl. Jutta Koslowski: „Versöhnte Verschiedenheit von Schwesterkirchen“? Münchner Theol.Zeitschrift 60/2009, S.314-326.

99H.Kühne, Öffentliche Wahrnehmung des Religionsunterrichts, S.5.

100Matthias Tilgner (verantwortlich): Erfordernisse für einen qualifizierten Religi­onsunterricht. Religionsunterricht 2026. Strategiepapier Juli 2018, S.11-15, S.11.

101H.Kühne, Öffentliche Wahrnehmung des Religionsunterrichts, S.7; dort Nähe­res S.6ff. Die bayerische Abmeldequote vom RU in Grund-, Haupt- und Mittelschulen betrug im Schuljahr 2016/17 rund 2 Prozent.

102H.Kühne, Öffentliche Wahrnehmung des Religionsunterrichts, S.5; dazu: BverfGE 74,244 (252).

103M.Tilgner, Erfordernisse für einen qualifizierten Religionsunterricht, S.12, un­ter Bezug auf Friedrich Schweitzer; ebd. S.12f. Weiteres zur Thematik.

104M.Tilgner, Erfordernisse für einen qualifizierten Religionsunterricht, S.12f.

105Für ersatzlose Abschaffung ist u.a. der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon: www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/fuenf/gruende-gegen-den-religionsunterricht, und Stefan Schmitt: An den Schulen hat Gott nichts verloren. DIE ZEIT 3/12.1.2017, S.65. Für ein Ersatzfach Ethik plädiert der frühere Landesvorsitzende des Fachverbands Ethik in Baden-Württemberg, Klaus Goergen: Allein der Ethikunterricht bietet Gewissheiten. Leserbrief FAZ 10/12.1.2019, S.22.

106Jochen Bernhardt (verantwortlich): Organisation des RU – Schritte in Richtung eines konfessionell-kooperativen, dialogisch ausgerichtetenReligionsunterrichtes. Religionsunterricht 2026. Strategiepapier Juli 2018, S.16-23, S.17.

107J.Bernhardt, Organisation des RU, S.17, 16ff.; dort Weiteres hierzu. Diese Va­riante wird laut Henrik Simojoki (auf der Tagung „Konfessioneller Religionsunterricht: wichtiger denn je?, 22.-23.6.2018 in der Evang.Akademie Tutzing) in Baden-Württem­berg erprobt, aber auch in Nordrhein-Westfalen und ab 2019 in Sachsen.

108J.Bernhardt, Organisation des RU, S.17.

109J.Bernhardt, Organisation des RU, S.18.

110Detlev Bierbaum: Religionsunterricht 2026. Strategiepapier Juli 2018, Einfüh­rung, S.2-4, S.3; J.Bernhardt, Organisation des RU, S.18. Vgl. H.Bedford-Strohm: Vor­wort in: Konfessionell-kooperativ erteilter Religionsunterricht. Grundlagen, Standards und Zielsetzungen. EKD-Texte 128, Hg: Kirchenamt der EKD 2018, S.6, 11f., 17.

111Konfessionell-kooperativ erteilter Religionsunterricht, S.13, vgl. S.14f.

112J.Bernhardt, Organisation des RU, S.18.

113So z.B. auf katholischer Seite das Christus repräsentierende Weihepriestertum, die Ablass- und Sakramentslehre, die Marien- und Heiligenverehrung – auf protestan­tischer Seite das reformatorische Kirchenverständnis als ‚Priestertum aller Gläubi­gen‘. Zum Ganzen siehe auch Anm. 90.

114Z.B. in eigenen Feiern und Gottesdiensten im Kirchenjahr, Besinnungstagen, Arbeitsgemeinschaften, Projektgruppen, Besuche kirchlicher Einrichtungen vor Ort, ferner diakonischer Anstalten und historischer Stätten der eigenen Konfession.

115www.pivilligst.de/fileadmin/paedagInstitut/Bilder/KoKoRu/Vereinbarung.

116Hierzu Impulse bei: http://www.rpi-loccum.de/material/koko/4-15_ehlers.

117H.Bedford-Strohm, Vorwort in: Konfessionell-kooperativ erteilter Religionsun­terricht, S.6f.,17. Er fordert S.6 zwar ein „Lernangebot“, „bei dem der Umgang mit bleibenden Unterschieden eingeübt werden kann“, doch ohne Konkretionen hierzu.

118J.Bernhardt, Organisation des RU, S.18ff.

119H.Simojoki spricht im Einladungsschreiben zur GwR-Jahrestagung 2018 von der z.Zt. „religionspädagogisch einhellig in Anspruch genommene(n) Subjektorientie­rung religiöser Bildung“. – Vgl. K.E.Nipkow: Stufentheorien der Glaubensentwick­lung als eine Herausforderung für Religionspädagogik und Praktische Theologie. In: Ders. u.a.: Glaubensentwicklung und Erziehung. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1988, S.270-289, S.271; J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.10ff.

120Leider stehen uns hierzu keine validen Forschungsergebnisse zur Verfügung.

121J.F.Fowler: Stufen des Glaubens. Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 1991 u.ö.

122K.E.Nipkow/F.Schweitzer/J.F.Fowler, in: K.E.Nipkow u.a.: Glaubensentwick­lung und Erziehung, Einleitung, S.7-25, S.17 bzw. 16. – Zur religionspädagogischen Entwicklungsstufendiskussion: Gerhard Büttner: Entwicklungspsychologie, www. bi­belwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon.

123J.F.Fowler, Stufen des Glaubens, S.166 (zu Stufe 2).

124Signifikant für beides sind Vereinssymbole in Fußballstadien. Hierzu: Elisa­beth Kagermeier: Alis Traum#. DIE ZEIT 3/10.1.2019, S.65 über den 25jährigen Deutschtürken Ali Can. In seiner elterlichen Wohnung „hängen eine Deutschlandflag­ge und ein Schal von Eintracht Frankfurt. Sie seien keine Fußballfans, sagt Can, »Aber viele haben das hier, deswegen haben wir es auch. Um dazuzugehören«“.

125J.F.Fowler, Stufen des Glaubens, S.168 (zit. Harry Stack Sullivan) bzw. 169f.

126J.F.Fowler, Stufen des Glaubens S.191, setzt diese Haltung etwas später an.

127J.F.Fowler, Stufen des Glaubens S.200; ebd.: Es ist ein Leben unter „Spannun­gen“: „Individualität versus Definiertsein durch eine Gruppe …; Subjektivität und die Macht der … Gefühle versus Objektivität und Forderung nach kritischer Reflexion; … Selbstverwirklichung … versus Dienst und Dasein für andere; die Frage, ob man sich an das Relative bindet versus Kampf mit der Möglichkeit eines Absoluten.“

128J.Bernhardt, Organisation des RU, S.18, zit. H.Simojoki: Ökumenische Diffe­renzkompetenz. ZPT 67/2015, S.68-78 und Jan Woppowa: Perspektivenverschränkung als zentrale Figur konfessioneller Kooperation. In: K.Lindner u.a.: Zukunftsfähiger Re­ligionsunterricht: Chancen und Grenzen interreligiösen Lernens. CI Münster 2017.

129Dazu u.a. im Internet: Jugendliche und Kirche; Handreichung der EKD (Hg.): Kirche und Jugend. Lebenslagen, Begegnungsfelder. Gütersloher Verlagshaus 2010.

130D.Bierbaum, Religionsunterricht 2016, Einführung, S.3.

131Richard Kabisch: Wie lehren wir Religion? Vandenhoeck Göttingen (1910) 3.Aufl. 1913, S.120; J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.128ff.

132Z.B. Sites wie www.jugendkirchen.org/; https://de-de.facebook.co/janaglaubt/

133M.Pirner, Religionsunterricht zwischen politischer Abstinenz und Funktionali­sierung, besonders S.56f., 63-69.

134Dazu J.Kunstmann, Subjektorientierte Religionspädagogik, S.128ff.,133f.

135Kurt Frör: Grundriss der Religionspädagogik. 2.Aufl. Bahn Konstanz 1983, S.25 bzw. Theodosius Harnack: Katechetik. Deichert Erlangen 1882, S.111, 111ff.

136Landessynode der Evang.-Luth.Kirche in Bayern 2018, Handout „Lebensraum Schule“, ebd. „Entwicklung neuer Netzwerke“.

137Vgl. u.a. Fritz Oser/Paul Gmünder: Der Mensch – Stufen seiner religiösen Ent­wicklung. Benziger/Gütersloher Verlagsanstalt Zürich/Gütersloh 1984 u.ö.; www. kein-plan.de/…/evReli_6_Religionspaedagogik_Reli_Psycho_Grundfragen_Referat.

138E.Lohse, F.W.Steinmeier: Vernunft hat nicht gerade Konjunktur, S.2 (Zitate F. W.Steinmeiers; ebd.: Religion ist einer der „vertraute[n] Bezugsräume“, s.Anm. 68).

139Auf ihren „religiösen Analphabetismus“ verweist D.Bierbaum, Einführung S.4.

140Www.rpz-heilsbronn.de/arbeitsbereiche/schularten/grundschule/mit-eltern-zu-sammenarbeiten/elternbriefe; Elternbriefe in: www.eibe-initiativkreis-bayern.de/Ver öffentlichungen (zu Glaubensfragen Jugendlicher an weiterführenden Schulen).

141D.Bierbaum, Einführung S.3: „Schulleben mitgestalten“.

142Z.B. durch einen „Liturgischen Arbeitskreis“.

143Vielfältige Anregungen hierzu im Internet unter ‚Besinnungstage‘.

144Umfangreiche Informationen hierzu im Internet unter ‚Diakonisches Lernen‘.

145Z.B. Gottesdienste und Feiern zu Stationen im Kirchenjahr, Elternabende zu Fragen religiöser Erziehung.

146Z.B. zu Pfarramt, Kindergarten, Kirche, Friedhof, historische Stätten.

147M.Tilgner, Erfordernisse für einen qualifizierten Religionsunterricht, S.13. Zu denken ist hierbei an Kindergottesdienst, Jugendgruppen.

148D.Bierbaum, Einführung S.4, zit. Hattie-Metastudie. www. sqa.at/pluginfile/ 813/course/section/373/hattie_studie.pdf, S.21 bzw. M.Tilgner, Erfordernisse für einen qualifizierten Religionsunterricht, S.13.

149D.Bierbaum, Einführung S.4. Hierzu M.Tilgner, Erfordernisse für einen quali­fizierten Religionsunterricht, S.13: Die Gemischte Kommission für die Reform des Theologiestudiums – Fachkommission II nannte 2009 für Religionslehrkräfte fünf Kompetenzbereiche: Religionspädagogische Reflexionsfähigkeit, Gestaltungskompe­tenz, Förderkompetenz, Entwicklungskompetenz, Dialog- und Diskurskompetenz.

150Die Angaben stammen allerdings schon aus den 1980er Jahren: Renate Ko­cher: Religionsunterricht – zwei Perspektiven. In: Sekretariat der [Kath.] Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Religionsunterricht – Aktuelle Situation und Perspektiven. Bonn 1989, S.50: Schüler erwarten zu 56% von der Religionslehrkraft, dass sie „gläu­big“ ist, zu 72%, dass sie ihr Fach liebt.

151E.Weniger: Die Eigenständigkeit der Erziehung in Theorie und Praxis. (1948) Beltz Weinheim 1952, S.116. Näheres hierzu bei Christian Grethlein: Religionspäda­gogik. De Gruyter Berlin 1998, S.158.

152R.Kabisch, Wie lehren wir Religion?, S.46 (zit. August E.Krohn), vgl. 44ff.

153P.Bahr: Ihr müsst nicht alles glauben. Christ&Welt 22/23.5.2019, S.1.

Die Untersuchung wurde im Arbeitskreis Kirche und Schule des E.I.B.E erstellt in Kooperation mit Gerd Birk, Helga Müller-Bardorff, Barbara Hochstätter, Richard Schwemer, Tilman Seng, Maria Völkel und Werner Peschaut.

(Den Text dieser Broschüre können Sie unter dem folgenden Link herunterladen, ausdrucken und vervielfältigen:  „Konfessionell erziehen in nachkonfessioneller Zeit“ . Wenn Der Text in Broschürenform ausgedruckt werden soll, ist die Druckereinstellung „Broschürendruck“ zu wählen.)

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