Jahresbrief 2018

Datum: 12. Dezember 2019

Landsberg/München, im Dezember 2018

Evangelischer Initiativkreis Bildung + Erziehung Bayern (E.I.B.E)

Sprecherkreis

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde! Auf weiß-blauer Bettwäsche lässt Meister Konrad aus Meran – um 1370 – die erschöpfte Maria ausruhen. Mit Links nimmt sie die goldene, wohlriechende Verehrung der drei Könige entgegen. Mit Rechts stützt sie ihr müdes Haupt. Auch eine „Jungfrauengeburt“ scheint anzustrengen. Keine Engel – mit Schwertern Bewaffnete beschützen die Szene – es waren unruhige Zeiten um 1370 – zwischen Bayern und Österreich. Ochs und Esel bemühen sich, ihre Neugierde zu befrie-digen. Und wo bleibt Vater Josef? Meister Konrad lässt ihn als Hausmann, abseits des großen Geschehens, im Hinterzimmer sein Süppchen kochen. Einer muss sich ja schließlich um den leeren Magen kümmern. Vom Heiligenschein allein wird man schwerlich satt. Winzig, nackt und bloß, genau im Zentrum, bewundert und beschützt, der, der alte Maßstäbe auf den Kopf stellen wird. Der die Gewaltigen vom Thron stoßen und die Hungrigen mit Gütern füllen wird – wie es Lukas seine Maria singen lässt. – Einfach unglaublich!

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Das Jahr 2018 war ein Jahr der politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen. Angesichts all der Krisenherde bildete das Jahr des E.I.B.E. ein wohltuendes Kontrastprogramm. Es gab in unserem Kreis keine Spannungen und schon gar keine Krisen – und doch war das E.I.B.E.-Jahr 2018 alles andere als ereignislos.

Dafür sorgten schon die obligatorischen drei „Plenarsitzungen“.

Die erste Sitzung am 6.Februar bildete einen Schwerpunkt des Jahres: OKR D. Bierbaum führte in das große Reformprojekt unserer Landeskirche ein: „Religionsunterricht 2026 – eine Strategie für den Religionsunterricht von morgen“ (unter Strategiepapier RU2026-16.pdf im Internet abrufbar). OKR Bierbaum betonte, dass der Religionsunterricht für die Landeskirche größte Bedeutung habe und als „großartige Chance“ verstanden werde, den jungen Menschen bei ihrer Weltorientierung beizustehen. In der anschließenden

Diskussion wurde u.a. auf die dringende Aufgabe des Religionsunterrichtes der Zukunft hingewiesen, die ethischen Fragen aufzugreifen, die sich aus der Digitalisierung ergeben. Weitere Schwerpunkte des Gespräches bildeten die Studien- und Berufsbegleitung der Religionslehrkräfte, die zurückgehende kirchliche Sozialisation der Kinder in den Familien, die zu geringe Vermittlung von Dialogkompetenz der evangelischen Schüler gegenüber ihren muslimischen Mitschülern, die Notwendigkeit dezentraler Fortbildungsveranstaltungen sowie die speziellen Schwierigkeiten der südbayerischen Diasporasituation.

Die zweite Sitzung fand im Rahmen unseres „Parteien-Turnus“ am 20.Juni im Maximilianeum statt. Gesprächspartner war der Bildungspolitische Sprecher der SPD, Martin Güll. Er war – wie schon bei früherem Zusammentreffen – sehr gesprächsbereit und für unsere Gedanken aufgeschlossen. M. Güll stellte das zentrale schulpolitische Projekt seiner Partei vor, die Gemeinschaftsschule. Bei ihr bleiben im Vollausbau alle Schüler und Schülerinnen zunächst bis zur zehnten, schließlich bis zur 13. Klasse zusammen. Leistungsdifferenzierung findet nur innerhalb des bestehenden Klassenverbandes statt. Jeder Jugendliche erwirbt auf diese Weise einen „speziellen Bildungsrucksack“, aus dem nach der 10. bzw. 13.Klasse jede/r nach seinem/ihrem erworbenen Leistungsniveau geprüft wird. Richtschnur sind dabei nicht objektiv vorgegebene Leistungsanforderungen, sondern die Frage, wie der/die Jugendliche das bewältigt hat, was er/sie sich vorgenommen hat. – Das Modell fand ein geteiltes Echo in der nachfolgenden Diskussion. In ihr wurde daneben u.a. das Verhältnis der SPD zu den Kirchen angesprochen, ferner die unterschiedlichen Schulverhältnisse in Bayern, der Trend zum zweigeteilten allgemeinbildenden Schulsystem, die hohe Lehrerbelastung, der Leistungs- und Notendruck durch die Eltern, die Heterogenität der Schülerschaft, der Erhalt ortsnaher Schulen, die Digitalisierung und der islamische RU.

In der dritten Sitzung am 13.11. referierte Pfarrer Michael Stein, der Sprecher der „KonfiBeauftragten“ der bayerischen Dekanate, zur „KonfiArbeit“. Er berichtete von der nach wie vor hohen Akzeptanz der Konfirmation bei den Jugendlichen und Eltern, allerdings auch von den Schwierigkeiten durch die stark abnehmende Zahl der Jugendlichen und die Ausweitung des Schulalltags. M. Stein gab dann einen Einblick in die umfangreichen aktuellen Aktivitäten zur Gestaltung einer jugendgerechten „Konfi-Praxis“. Leitlinien sind u.a. die Subjektorientierung, der Erlebnischarakter der „KonfiArbeit“ (z.B. in „Konfi-Camps“), ihre Einbettung ins allgemeine Gemeindeleben, die Einrichtung fester „Konfi-Mitarbeiterteams“, interaktive Gottesdienste und die Verzahnung mit der Jugendarbeit. Ein Schwerpunkt der anschließenden Diskussion war die notwendige Verbindung von kirchlicher Tradition und Jugendgemäßheit.

Von den Arbeitskreisen im E.I.B.E. konnte derjenige zu „Elternbriefe Religion“ die Arbeit im Wesentlichen abschließen. Diese Briefe haben speziell Probleme Jugendlicher mit Glauben und Religionsunterricht zum Thema. Sie ergänzen damit die vom RPZ herausgegebenen Elternbriefe und sind demnächst auch unter unserer Homepage abrufbar.

Der AK Schule und Kirche veröffentlichte die Broschüre „Religion und Öffentliche Schule“. Sie stieß auf positive Resonanz im E.I.B.E.-Kreis, bei Schulbeauftragten, bei evangelischen Erziehern und als Arbeitsgrundlage im universitären Bereich. Deshalb erschien die Broschüre bereits in einer 2. Auflage. Zurzeit arbeitet der Kreis am Projekt „Konfessionell erziehen im nachkonfessionellen Zeitalter?“

An weiteren Aktivitäten von E.I.B.E.-Mitgliedern sind u.a. zu nennen: Dr. Simon gestaltete im Oktober zusammen mit Prof. H. Rupp in Graubünden ein Seminar über den mittelalterlichen „Waltensburger Meister“. H. Müller-Bardorff hielt Kontakt zu Erzieher-Vereinigungen in Südbayern, führte im Herbst eine ökumenische „Orgelwanderung“ im Werdenfelser Land durch und engagierte sich in der Asyl-Arbeit. Dr. H. Anselm konnte Verbindung mit dem GVEE und seiner neuen Vorstandschaft auf der Jahresversammlung des Gesamtverbandes im April in Nürnberg aufnehmen. Er besuchte im Juni die Tutzinger Tagung „Konfessioneller Religionsunterricht: wichtiger denn je?“. Außerdem war er im September Teilnehmer der Jahrestagung der Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik in Bamberg mit dem Thema „Religiöse Bildung – ein Leben lang! Religionspädagogik in biographischer Perspektive“; zwei Aspekte standen dabei im Zentrum: die Subjektorientierung und die soziale Einbettung des religiösen Lernens. Dietlinde Kunad ist Landesvorsitzende im Deutschen Evangelischen Frauenbund, Helga Lormes ist aktiv in der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer an den Gymnasien in Bayern. Lydia Herold als erste Vorsitzende des Freundes- und Förderkreises für das RPZ Heilsbronn und Richard Schwemer als ihr Stellvertreter und Verfasser der Freundesbriefe leiteten auch heuer wieder mit Erfolg diesen Kreis und hielten die Verbindung zu Direktor K. Buhl.

Der Sprecher/in/kreis hat sich 2018 in herzlicher Freundschaft und Zusammenarbeit regelmäßig im gastfreundlichen Haus Schwemer getroffen; für uns sehr bedauerlich ist allerdings, dass Frau Völkel im Herbst nach der Pensionierung ihres Mannes nach Nordbayern zurückgekehrt ist. Selbstverständlich bleiben wir weiter mit ihr in Verbindung.

Auch heuer bedanken wir uns sehr beim Landeskirchenamt, das uns den Sitzungsraum und die Versandmöglichkeit zur Verfügung stellt: Wir danken dem Referatsleiter „Erziehung, Bildung, Unterricht“,

Matthias Tilgner, für die vertrauensvollen und hilfreichen Kontakte. Wir danken Frau Fränzel und Frau Heim, ohne deren Hilfe unser Initiativkreis nicht in der bisherigen Weise fortgeführt werden könnte.

Zuletzt danken wir auch am Ende dieses Jahres Ihnen und Euch allen für das Interesse an unseren Veranstaltungen und Aktionen, sowie für all die vielen und angenehmen Begegnungen. In einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen finden wir es tröstlich und ermutigend, miteinander in einer geistlichen und geistigen Gemeinschaft verbunden zu sein. Wir freuen uns darauf, diese Gemeinschaft im neuen Jahr weiter zu pflegen und wünschen Ihnen und Euch allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und ein von Gott beschütztes 2019.

Tilman Seng, Maria Völkel, Helmut Anselm, Richard Schwemer

Wir möchten an dieser Stelle auch auf unsere Homepage www.eibe-initiativkeis-bayern.de hinweisen, wo Sie unsere Veröffentlichungen, Vorträge, Aufsätze, Sitzungstermine und viele Informationen über die bisherigen Aktivitäten unseres Initiativkreises finden. Gerne nehmen wir darin auch Beiträge von Ihnen auf, um sie unseren Homepage-Besuchern zur Verfügung zu stellen.

P.S. Unsere 1. Sitzung im neuen Jahr findet im Februar 2019 statt. Erfreulicherweise konnten wir hierfür wieder Herrn Oberkirchenrat D.Bierbaum als Referenten gewinnen. Datum, Uhrzeit und Thema erhalten Sie mit der schriftlichen Einladung, die wir – wie üblich – ca. 4 Wochen vor der Veranstaltung versenden.

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