„Ich will in Ethik“ (Elternbrief 4)

Datum: 7. November 2019

Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigte,

wenn Ihr Sohn, Ihre Tochter mit einem Formular zu Ihnen kommt und sagt „Unterschreibt das, ab jetzt geh ich in Ethik, nicht mehr in Religion!“ Wie werden Sie reagieren? Sagen Sie:

„Warum?“

„Nein, wir sind dagegen!“

„Von uns aus!“

„Finden wir gut!“

Zu jeder dieser Antworten hier einige Gedanken:

Warum?“

Was wird Ihr Sohn/Ihre Tochter auf Ihre Frage antworten? Die Spannweite möglicher Gründe ist groß. Sie reicht vom Verhalten der Freundinnen und Freunde über die Hoffnung auf bessere Noten im Fach Ethik, über konkre­te Konflikte mit der Religionslehrkraft, über Protest gegen Traditionen in Ihrer Familie bis hin zu Zweifeln am christlichen Glauben.

Aus Sicht Ihrer Tochter/Ihres Sohnes haben alle diese Gründe Gewicht, und die zuletzt genannten sicher auch für Sie. Deshalb lohnt die Frage nach dem „Warum“ ein längeres Gespräch, das Sie und Ihre Tochter bzw. Ihren Sohn, möglicherweise zu überraschenden Ergebnissen führt.

Nein, wir sind dagegen!“

Sicher würden Sie mit Ihrer Antwort „Nein“ kein schroffes „Nein, basta!“ meinen, sondern Ihre Ablehnung begründen.

So kann ein Grund sein, dass Ihnen der christliche Glaube wichtig ist, und Sie deshalb gerne möchten, dass Ihr Sohn/Ihre Tochter mit ihm näher ver­traut wird.

Freilich kann gerade Ihr „Nein“ bei Ihrem Sohn bzw. Ihrer Tochter zu einer verstärkten Ablehnung des Religionsunterrichtes führen.

Von uns aus!“

Damit würden Sie die Gefahr einer verstärkten Ablehnung des Religions­unterrichtes vermeiden. Aber Sie könnten bei Ihrer Tochter/Ihrem Sohn den Eindruck erwecken, Religion und Glauben seien Ihnen letztlich egal.

Wir denken, dann fühlten Sie sich missverstanden. Sie stimmen uns sicher zu: Bei den Fragen um „Gott und die Welt“ geht es letztlich um die Fragen nach einer „Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit“, also um die Tiefendi­mensionen unseres Lebens: um seine Herkunft, seinen Sinn, sein Ziel.

Doch möchten Sie es Ihrer Tochter/Ihrem Sohn überlassen, ob die Ausein­andersetzung mit diesen Fragen im Religionsunterricht oder im Ethikun­terricht stattfindet.

Finden wir gut!“

Ein zeitweiliger „Ausflug“ in das Fach Ethik kann für Ihren Sohn, Ihre Tochter, bereichernd sein: andere Lehrkraft – andere Schüler – andere Art des Unterrichts. Perspektivenwechsel sind in Glaubens- und Lebensfragen wichtig – also der Versuch, die großen Fragen unseres Seins aus einer an­deren Perspektive zu betrachten.

Aber die Perspektive kann nur wechseln, wer bereits einen Standort hat. Und: Auch innerhalb des Religionsunterrichtes werden von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe zunehmend Perspektivenwechsel angeboten. So wird un­ter anderem versucht, einen Einblick zu geben in den Glauben und die Le­bensart der Muslime, der Buddhisten, aber auch der Atheisten – ohne dabei den eigenen Standort aufzugeben.

Die jeweilige Eigenart des christlichen Religionsunterrichtes und des Ethikunterrrichtes

Ethik ist kein ‚Gegenfach‘ zum Religionsunterricht. Viele Lehrkräfte beider Fächer arbeiten kollegial zusammen. Es gibt jedoch grundsätzliche Unter­schiede.

Der Religionsunterricht führt theoretisch und praktisch in Geschichte, Leh­ren und Leben einer Glaubensgemeinschaft ein und bietet auf dieser Basis konkrete Hilfen zur Lebensbewältigung an. Ihr Sohn/Ihre Tochter soll hier­zu den Glauben dieser Gemeinschaft „aus erster Hand“ durch ihre Lehr­kräfte kennenlernen, selbst erproben und – auch kritisch! – befragen.

Das schließt die Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Glau­bens- und Weltanschauungsgemeinschaften und deren Lehren nicht aus – im Gegenteil. Sie dienen als wichtige Alternativen zur Klärung des eigenen Standortes.

Auch im Fach Ethik geht es u.a. um verschiedene religiöse und nichtreligi­öse Weltdeutungen als Möglichkeiten, das Leben zu meistern. Sie dürfen im Ethikunterricht jedoch nur im Sinn von Information und ohne wertende Stellungnahme dargestellt werden (Bayerisches Erziehungs- und Unter­richtsgesetz [BayEUG] Art 47, 2-2/3). Damit aber entfallen unverzichtbare Elemente von Religion: Christliche Glaubenspraxis darf weder konkret er­lebt, noch in biblische Texte als Zeugnisse der persönlichen Zuwendung Gottes zum Menschen eingeführt werden. Diese Einschränkungen machen den Ethikunterricht im Blick auf den christlichen Glauben defizitär.

Nicht nur ihm gegenüber: Die gleichen Defizite weist der Ethikunterricht für muslimi­sche Schüler und Schülerinnen im Blick auf ihren Glauben auf.

Der Ethikunterricht wird von Schülerinnen und Schülern verschiedener Re­ligionen und Konfessionen besucht. Diese Zusammensetzung kann im Un­terricht spannend sein. Sie kann ihn aber auch erschweren. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten Sie im Fall der Wahl des Ethikunterrichts ab und an mit Ihrem Sohn/Ihrer Tochter über den Unterricht sprechen.

Rechtliche und organisatorische Fragen

Gleichstellung

Der Ethikunterricht ist Pflichtfach für Schülerinnen und Schüler, die nicht an einem Religionsunterricht teilnehmen [BayEUG Art 47 (1)]. Er ist als Fach dem Religionsunterricht gleichgestellt. Das gilt hinsichtlich Notenge­bung, Ausstattung, Stundenplan, Lerngruppenbildung und Lehrerbedarf.

Anmeldung

Die Anmeldung zu den Fächern Religion und Ethik geschieht durch die Er­ziehungsberechtigten bei der Schuleinschreibung und gilt für die gesamte Dauer des Schulbesuchs, solange sie nicht rechtsgültig widerrufen wird. Hierzu Näheres ist bei der Schulleitung zu erfragen. Darüber hinaus gilt:

Wechsel zwischen den Fächern

Grundsätzlich können Schüler/Schülerinnen während der ganzen Schul­zeit zwischen Religions- und Ethikunterricht wechseln. Dazu müssen sie von Ihnen als Erziehungsberechtigten in der Regel am Ende eines Schul­jahres für das neue Jahr von dem bisher besuchten Fach schriftlich abge­meldet werden. (Volljährige Schüler/Schülerinnen melden sich bei der Schulleitung selbst ab.) Für den Wechsel muss kein Grund angegeben wer­den. Er gilt für die weitere Schulzeit bis zu einem rechtsgültigen Widerruf.

Soll ein Wechsel zwischen beiden Fächern während des Schuljahres er­folgen, dann sind folgende Bestimmungen zu beachten:

– Es muss ein wichtiger Grund genannt werden.

– Es muss eine Prüfung über den bis zum Wechsel behandelten Lernstoff des Faches abgelegt werden, in das der Schüler/die Schülerin eintritt.

Wenn Ethikschüler einer Religion oder Konfession angehören, für die in der Schule ein Religionsunterricht eingerichtet ist, dann können sie von Ethik nur in diesen Unterricht wechseln. Der Wechsel in den Religions­unterricht einer anderen Konfession oder Religion ist nicht möglich.

Anderes gilt für Ethikschüler, die keiner Religionsgemeinschaft angehö­ren, für die in der Schule ein Religionsunterricht eingerichtet ist. Solche Schüler können in jeden Religionsunterricht wechseln, jedoch nur, wenn die aufnehmende Religionsgemeinschaft (auf Antrag, Näheres bei der Schulleitung zu erfragen) damit einverstanden ist.

Eine Sonderregelung besteht im Gymnasium: Die Wahl von Religions­lehre oder Ethik als Abiturprüfungsfach ist nur zulässig, wenn das Fach in der Jahrgangsstufe 10 besucht wurde. Wollen Schüler beim Eintritt in die Jahrgangsstufe 11 das Fach wechseln, dann kann im neu gewählten Fach die Abiturprüfung nur abgelegt werden, wenn der Lernstoff der 10.Jahr­gangsstufe des neuen Faches erfolgreich nachgewiesen wurde.

Bei einem Fachwechsel nach Beginn der 11.Jahrgangsstufe kann das neu gewählte Fach nicht Abiturprüfungsfach sein.

Auskünfte und Beratung

Bei allen weiteren Fragen zu den Fächern Religion oder Ethik wenden Sie sich bitte an die zuständigen Lehrkräfte. Sie freuen sich über Ihr Interesse. Wenn Sie sich nicht an diese Lehrkräfte wenden wollen, helfen Ihnen Schulleitungen bzw. – in Gymnasien – Stufenbetreuer.

Sie finden die für die Fächer Religionslehre und Ethik geltenden gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (BayEUG) in den Arti­keln 46-47 sowie für die verschiedenen Schularten gut zusammengefasst in http://www. schulreferat-regensburg.de/index.php/rechtliche-grundlagen.

Wir wünschen Ihnen eine Entscheidung, die Ihnen und Ihrer Tochter/Ihrem Sohn einen guten Weg eröffnet!

Ihr

Elternbriefteam des Evangelischen Initiativkreises für Bildung und Erziehung in Bayern (E.I.B.E).

(Den kompletten Elternbrief können Sie nach dem Anklicken des folgenden Links herunterladen und – falls gewünscht –  ausdrucken und vervielfältigen. Nützen Sie hierzu den Broschürendruck, dann lässt sich der Elternbrief übersichtlich auf einem Din A 4-Blatt/Vorder-und Rückseite ausdrucken und falten:                           Ich will in Ethik  )  

Kontakt: www.eibe-initiativkreis-bayern.de

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