Noten im Religionsunterricht (Elternbrief 5)

Datum: 7. November 2019

So denken Schülerinnen und Schüler:

Noten im Religionsunterricht

… sind gut, weil sich sonst keiner anstrengen würde (6. Jahrgangsstufe)

… sind schlecht, weil man Ärger bekommen kann (6. Jg.)

… sind gut, weil man weiß, wo man steht (6. Jg.)

… sollten vielleicht besser durch ein Worturteil ersetzt werden (10. Jg.)

… sind normal, weil Religion ein Fach wie jedes andere ist (10. Jg.)

… verhindern, dass der Unterricht im Chaos zusammenbricht (11. Jg.)

… sind sinnlos, da oft Ansichten gelernt werden müssen, die der eigenen

Überzeugung komplett widersprechen (11. Jg.).“

Diese Antworten haben bayerische Schülerinnen und Schüler gegeben. Wir finden interessant, dass insgesamt die Zustimmung zu Noten überwog.

Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigte, wie hätte Ihre Tochter/Ihr Sohn geantwortet?

Was sind Noten?

In früheren Zeiten wurden die Schüler ihren Leistungen nach in die Bänke gesetzt – die besten Schüler in die erste, die schlechtesten in die letzte. Wurden „Hinterbänkler“ nicht besser, „blieben sie sitzen“. Später ging es nicht mehr um Bänke, sondern nur noch um ihre Nummerierung: 1 – 6.

Noten geben eine kurze Information darüber, wie weit Schüler/Schülerin­nen den im Unterricht behandelten Stoff beherrschen. Sie können anspor­nen und Freude bereiten, aber auch entmutigen und frustrieren. Dabei sind wörtliche Bewertungen für Eltern und Jugendliche meist aufschlussreicher, Ziffernnoten allerdings besser einzuordnen.

Scharf abzulehnen ist, von Noten, speziell schlechten Noten, auf den Charakter des/der Jugendlichen zu schließen. (Auch von „schlechtem Schüler“ oder „schlechter Schülerin“ zu sprechen, statt von schlechten Leistungen!) Außerdem ist nicht möglich, durch Noten Intelligenz und Be­gabungen festzustellen, etwa so, wie man Körpergröße messen kann.

Forschungsergebnisse zeigen: Schulnoten hängen nur zu ca. 25 Prozent von Begabung ab, zu ca. 40 Prozent von der Fähigkeit, vorgegebenen An­forderungen zu entsprechen, zum restlichen Drittel von anderen Gründen wie Prüfungsangst und Tagesform (Gesundheit, Ermüdung, Blutzucker­spiegel, Misserfolg oder Belastung in den vorhergehenden Stunden u.a.m.).

Warum gibt es auch im Religionsunterricht Noten?

Der Religionsunterricht ist ein Schulfach, das zu zentralen Lebensfragen Information, Wissen und Argumentationsfähigkeit vermittelt. All dies er­fordert Leistungen, und die müssen wie in anderen Fächern bewertet wer­den, zur Orientierung der Jugendlichen, Eltern und Lehrkräfte. Die Maß­stäbe hierfür müssen verständlich sein und immer wieder erläutert werden.

Darüber hinaus geht es im Religionsunterricht aber auch um ganz persön­liche Einstellungen, Haltungen und Gesinnungen. Sie sollen im Unterricht geweckt und gefördert werden. Sie dürfen jedoch nicht benotet werden!

Wenn Ihr Sohn/Ihre Tochter oder Sie den Eindruck haben, das geschehe im Religionsunterricht, suchen Sie bitte den Kontakt zur Lehrkraft.

Tipps zum Umgang mit Noten

Generell gilt: Loben Sie Ihre Tochter/Ihren Sohn für ihre erbrachten Leis­tungen – so stärken Sie deren Selbstbewusstsein und Lernfreude!

Bei einer „schlechten“ Note ist zunächst zu fragen, ob es ein einmaliger „Ausrutscher“ war. Dann keine Aufregung! Im Übrigen kann man in Fä­chern ohne Schulaufgaben, also auch in Religionslehre, eine schlechte No­te durch gute Mitarbeit im Unterricht ausgleichen. Zudem gibt es vielfach die Möglichkeit, sich freiwillig abfragen zu lassen, ein Kurzreferat zu hal­ten oder einen besonderen Unterrichtsbeitrag vorzubereiten.

Schlechte“ Noten allein geben keine Auskunft über den konkreten Leis­tungsstand. Kommen sie im Religionsunterricht öfter vor, dann können sie die unterschiedlichsten Gründe haben, so u.a. Zweifel am christlichen Glauben, aber auch eine allgemeine Schulverdrossenheit, die Ihre Toch­ter/Ihr Sohn am vermeintlich „schwachen“ Fach Religionslehre abreagiert. Außerdem kann der Grund in Konflikten mit der Lehrkraft liegen sowie in Einflüssen aus dem außerschulischen Umfeld, in Problemen in der Klasse, in Über- bzw. Unterforderung, aber auch im Einfluß von Mitschülern.

Im Fall, dass „schlechte“ Noten häufiger sind, ist das Wichtigste ein ruhi­ges Gespräch mit Ihrem Kind. In schwerwiegenderen Fällen sollten Sie mit der Lehrkraft sprechen. So können Sie meist den Ursachen auf die Spur kommen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Besonders wichtig ist dies, wenn sich zeigt, dass Prüfungsangst der Grund ist.

Im Übrigen schlagen wir vor:

Halten Sie grundsätzlich von Anfang an Kontakt zu den Lehrkräften, warten Sie damit nicht, bis Probleme auftreten.

Lassen Sie sich immer wieder vom Religionsunterricht erzählen.

Interessieren Sie sich für aktuelle Lerninhalte und Lernfortschritte Ihrer Tochter/Ihres Sohnes, lassen Sie sich Heft und Stegreifaufgaben zeigen.

Fragen Sie regelmäßig nach den Hausaufgaben und nach den Ergebnis­sen von benotetem Abfragen.

Versuchen Sie, Ablenkungen beim Lernen zu verringern.

Überlegen Sie, wie Sie Ihrem Sohn/Ihrer Tochter das Lernen erleichtern und in Prüfungssituationen Sicherheit vermitteln können. Sprechen Sie mit den Lehrkräften über Tipps zum „Lernen lernen“.

Religionslehre in der Schulabschlussprüfung/im Abitur

Schulen haben den Auftrag, im Rahmen der Ziele ihrer Schulart in unsere kulturelle Tradition einzuführen, allgemeines Orientierungswissen zu ver­mitteln und das Urteilsvermögen zu stärken.

Die Oberstufe des Gymnasiums hat darüber hinaus die Aufgabe, für das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität vorzubereiten. Dazu gehören die Fähigkeit zu selbstständiger Texterschließung, Argumentationsfähigkeit und ein vertieftes Verständnis für Zusammenhänge.

Alle die für jeweilige Schulart geltenden Anforderungen und Kompetenzen können auch im Fach Religionslehre erfüllt bzw. erworben werden. Daher haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend bei Abschlussprüfungen das Fach Religionslehre als Prüfungsfach zu wählen, sofern sie den Unterricht in den vorangehen­den Jahren besucht haben. Über die genauen Regelungen hierüber geben die Religionslehrkräfte gerne Auskunft. Sie werden Ihren Sohn/Ihre Toch­ter auch gerne über eventuell vorhandene Vorbereitungshilfen beraten.

Worauf es letztlich ankommt

Religionsnoten sind keine „Glaubensnoten“! Sie dürfen nur das zum Verständnis unserer christlich-abendländischen Kultur wichtige Wissen über Religion(en) und Glauben bewerten, nicht aber diesen selbst. Zu Recht müssen sich Jugendliche dagegen wehren, aufgrund ihrer Noten auf Gläubigkeit hin angesprochen zu werden.

Vertrauen schaffen! Noten brauchen eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen Jugendlichem, Lehrkraft und Eltern. Als Eltern können Sie viel dazu beitragen, indem Sie vor Ihrem Kind vom Fach und seinen Lehrkräf­ten nicht herabsetzend sprechen, vielmehr Kontakte zur Lehrkraft suchen.

Den Sohn/die Tochter in ihrer eigenen Art annehmen! Manchmal ist man versucht, eigene Wünsche, Erwartungen und Ziele auf sie zu übertra­gen. Dies kommt auch im Blick auf Religion und Glauben vor. Doch Her­anwachsende müssen gerade in diesem Bereich einen eigenen Standort fin­den und ihre Neigungen, Interessen und Begabungen entfalten können.

Der Wert Ihrer Tochter/Ihres Sohnes hängt nicht von schulischen Leis­tungen ab! Bei aller sinnvollen Leistungsanforderung und wichtigem Leis­tungswillen: Das Leben erschöpft sich nicht darin. Es muss gerade im Reli­gionsunterricht leistungsfreie Bereiche geben. Werte wie Solidarität, Mit­gefühl und einander Vergeben dürfen nicht zu kurz kommen.

Vermeiden, was zum Noten-Verschweigen führen kann! Ihr Sohn/Ihre Tochter soll Ihnen möglicherweise schlechte Ergebnisse vertrauensvoll und angstfrei sagen können.

Es gibt immer neue Anfänge! Versuchen Sie Ihrer Tochter/Ihrem Sohn deutlich zu machen: Schulisches Versagen ist kein Endpunkt. Wenn sie/ wenn er gesteckte Ziele nicht erreicht, machen Sie Mut, betonen Sie ihre/ seine speziellen Stärken und helfen Sie, neue Möglichkeiten zu entdecken und zu ergreifen. Begleiten Sie Ihre Tochter/Ihren Sohn dabei.

Lassen Sie Ihrem Sohn/Ihrer Tochter spüren, dass sie geliebt wer­den! Dann werden Notenängste letztlich zweitrangig.

Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigte,

vielleicht können wir Ihnen mit diesen Überlegungen und Hinweisen einige An­regungen geben. Es würde uns freuen.

Ihr

Elternbriefteam im Evangelischen Initiativkreis Bildung und Erziehung (E.I.B.E.)

(Den kompletten Elternbrief können Sie nach dem Anklicken des folgenden Links herunterladen und – falls gewünscht –  ausdrucken und vervielfältigen. Nützen Sie hierzu den Broschürendruck, dann lässt sich der Elternbrief übersichtlich auf einem Din A 4-Blatt/Vorder-und Rückseite ausdrucken und falten:                  Noten im Religionsunterricht )  

Kontakt: www.eibe.initiativkreis-bayern.de

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